Republik der Taubheit erschienen 2022 eine Rezension

Am 16.05.2022 ist im Hanser Verlag das neue Buch von  Ilya Kaminsky erschienen. Es heisst Republik der Taubheit. Übersetzt wurde es aus dem Englischen von Anja Kampmann.

Ilya Kaminsky wurde 1977 in der ehemaligen Sowjetunion geboren, lebt seit 1993 in die USA. Der Autor ein ist ukrainisch-russisch-jüdisch-amerikanischen und nicht tauber Dichter, Kritiker, Übersetzer und Lyrik-Professor.

Das Buch erzählt die Geschichte der fiktiven Stadt “Vasenka”, welche von Soldaten besetzt ist. Die Bürger*innen dieser Stadt stellen sich im Gedenken an einen getöteten tauben Jungen welcher einem Puppenspiel zugesehen hatte und von den Besatzungsoldaten erschossen worden war taub. Sie koordinieren ihren Widerstand in Gebärdensprache.

Ob diese Stadt in der Westukraine, im Donnbas, oder auf der Krim liegt, oder in einem ganz anderen Gebiet lässt der Autor dabei offen

Das Buch  Die Republik der Taubheit beschreibt ein Potrait einer besetzten Stadt, die aber nicht nur ein Kriegsschauplatz, sondern auch ein Ort, an dem geliebt wird, oder wo Menschen einander Zeichen der Solidarität geben. Das Buch Republik  der Taubheit  ist in Lyrik verfasst und damit sehr frakmentarisch.

Wenn der Verlag schreibt, das Buch Republik der Taubheit  sei ein “dringendes Plädoyer gegen das Schweigen” dann verstärkt das meinen Hauptkritikpunkt am Buch! Denn eigentlich müsste das Buch “Republik der Verstummten” heißen, denn die Bewohner*innen von Vasenka ertauben ja nicht wirklich. Sie entscheiden sich ja, zu verstummen. Taubheit und Stummsein ist ja gerade durch die Gebärdensprache nicht das Gleiche.

Dadurch, dass die Bewohner*innen vorgeben taub zu sein, ignorieren sie Anweisungen der Besatzer*innen. Die dabei mitschwingende Metapher “des Ignorieren” ist meines Erachtens, zumindest für den deutschsprachigen Raum, problematisch, weil Taubsein im Sprachgebrauch oft als Ignoranz-Metapher genutzt wird.

Die im Buch illustrierten Gebärden, welche die in Vasenka genutzte Gebärden zeigen sollen, sind ein Mix aus russischen, ukrainischen, weißrussischen, und amerikanischen und erfundenen Gebärden. Es wäre gut wenn zu jeder einzelnen Gebärde eine Fußnote auf der Seite im Buch vorhanden wäre aus welche Gebärdensprache die konkrete Gebärde ist, dass würde das Erlernen einiger Gebärden ermöglichen. Diese Chance wurde verpasst. Das die Anmerkungen, dass die verwendeten Gebärden ein Mix aus verschiedenen real existierenden Gebärdensprachhen sind, erst am Ende des Buches kommen, macht das Ganze richtig ärgerlich. Solche Anmerkungen gehören meines Erachtens immer an den Anfang eines Buches. Dass die Gebärdensprache in diesen Anmerkungen zur Zeichensprache degradiert wird, ist ein grober Schnitzer.

Ein weiteres Unding findet sich auf Seite 45, weil dort ein Lernbeeinträchtigter Junge als schwachsinnig bezeichnet wird. Im 21 Jahrhundert darf das nicht mehr vorkommen, schon gar nicht von einem Professor.

Mir stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob die direkte Übersetzung des englischen Orginals, die beiden letztgenannten Punkte verursachte, oder diese zu den kleinen Freiheiten gehörten, welche sich die Übersetzerin erlauben durfte, und wofür sie sich beim Autor bedankt. Aufgrund meiner Einwände kann ich für das Buch “Republik der Tauben” keine Empfehlung aussprechen.

ElRepublik der Taubheit

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