Gib alles nur nicht auf! eine Kinderbuch Rezension

Mit „Gib alles, nur nicht auf!“ von Cerrie Burnell und Lauren Baldo ist bei Thienemann-Esslingen 2021 ein weiteres Kinderbuch mit 34 illustrierten Kurz-Biografien von Persönlichkeiten aus Geschichte und Gegenwart erschienen. Was die porträtierten Menschen dieses Mal eint ist, dass sie alle eine Beeinträchtigung oder chronische Krankheit haben. Schon im Vorwort weist Carrie Burnell auf den Anteil der Gesellschaft hin, der aus Menschen mit Beeinträchtigung behinderte Menschen macht, in diesem Zusammenhang schreibt sie auch, dass sie deshalb von behinderten Menschen schreibt und nicht von Menschen mit Behinderung. Solche Hinweise finde ich sehr begrüßenswert“ denn dadurch macht sie das Vorwort zu einem wichtigen Bestandteil des Buches. Carrie Burnell ist selbst eine behinderte Person. Das Buch hat eine Altersempfehlung ab 10 Jahren. Das halte ich für angemessen. Das Gute an dem Buch ist, dass viele der Persönlichkeiten den Kids in dem Alter noch nicht bekannt sein dürften. Dieser Umstand erhöht meines Dafürhaltens die Spannung. Das Buch folgt keinem Kriterium, nach dem die Porträts geordnet sind. Formal aufgebaut ist das Buch so: es gibt 25 Porträts die eine Doppelseite umfassen eine Seite Text und dann kommt noch ein illustriertes Bild der porträtierten Person. Warum der Text nicht immer links steht und das Bild dann rechts kommt versteh ich nicht. Was mich stört sind die drei Sonderdoppelseiten, welche im Buch wahllos auftauchen und auf einer Doppelseite auf psychische Beeinträchtigungen eingegangen wird, in dem drei scheinbar typische Vertreter*innen porträtiert werden.Auf einer weiteren Doppelseite wird auf sogenannte unsichtbare Behinderungen eingegangen. Warum dabei in der Überschrift auch noch von Behinderungen und nicht von Beeinträchtigungen gesprochen wird, verstehe ich nicht. Denn m.E. wird damit ein wenig der Anspruch vom Vorwort kaputt gemacht. In diesem Zusammenhang finde ich die dritte Sonderseite, wo auf einer Doppelseite drei Stars der Paralympischen Spiele vorgestellt werden, besonders nervig, denn der Verlag sagt das Buch soll die Inklusion fördern. Genau das aber ist nicht das Ziel der Paralympics. Die auf diesen Seiten porträtierten Persönlichkeiten hätten auch jeder eine eigene Doppelseite verdient. Insgesamt sind die in dem Buch porträtierten Personen mit Beeinträchtigung erfreulich divers. Neben bekannteren Personen sind auch eher unbekanntere dabei. Einige Porträts werfen bei mir Fragen auf und einige verlangen nach Ergänzungen. Warum wird z.B. bei Helen Keller und Frida Karlo verschwiegen, das sie Sozialist*innen bzw. Kommunistinnen waren und auch Stephen Hawking vor dem Kapitalismus warnte. Bei Temple Grandin hätte darauf hingewiesen werden können dass sie für die Fleischindustrie und Mc Donald’s arbeitet. Warum wird Peter Dinklage als ein Schauspieler beschrieben, der sich als kleinwüchsiger Mensch weigerte Rollen zu spielen die er vor allem wegen seiner Größe bekam, um dann zu erwähnen, dass er mit seiner Rolle des Tyrion Lenkester in Game of Thrones seinen Durchbruch hatte. Weshalb wird in diesem Zusammenhang nicht erwähnt, dass es sich dabei um eine teils als „Zwerg“ bezeichnete Figur handelt. Eine Frage, die ich mir nach dem Lesen der Kurzbiographie von Emmanuel Ofosu Yeboah gestellt habe war: „dürfen behinderte Menschen jetzt in den Palast des Königs? “Das Buch hat ein sehr gutes Glossar in dem auf wichtige Begriffe verständlich eingegangen wird. Erfreulich wäre gewesen, wenn die Autorin hier noch einmal auf den für sie relevanten Unterschied zwischen einem behinderten Menschen und einem Menschen mit Behinderung eingegangen wäre. Das schlechteste am Buch ist leider sein Titel Gib alles, nur nicht auf!  dieser wird im Gegensatz zu dem was er eigentlich will bei einigen Leser*innen Mitleid hervorrufen. Ich empfehle das Buch Gib alles, nur nicht auf! sehr gerne und würde sicher einen Band 2 oder 3 auch lesen.

Gib alles

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.