Riot don´t Diet von Elisabeth Lechner eine Rezension

Im Buch „Riot don´t Diet“ erschienen im Verlag Kremayr & Scheriau schreibt Elisabeth Lechner über Diskriminierung von Menschen, die wegen ihres Gewichts, ihrer Hautfarbe, ihrer Sexualität, ihrem Alter und wegen ihrer Beeinträchtigungen nicht in die vorgegebene Norm passen. Was mir sofort auffiel ist, dass der Titel aus einer inklusiven Perspektive auch kritisch wahrgenommen werden kann denn Diäten werden nicht nur aus einem Schönheitsideal heraus gemacht.

In der Einleitung „Aufstand der Widerspenstigen Körper“ fordert die Autorin genau einen solchen. Sie gibt dazu einen guten Überblick darüber, welche Auswirkungen die Vorstellung haben kann besondere Körper seien schön und wie sogenannte „hässliche Körper“ ökonomisch als auch gesellschaftlich benachteiligt, werden.

Lechner geht darauf ein, was als die Norm angesehen wird: der weiße nichtbehinderte junge schlanke cis hetero Mann.

Sie schreibt über die Strategie der Schönheitsindustrie, deren Ziel es ist immer neue Makel an unseren Körpern zu definieren, um „uns“ dafür neue Produkte verkaufen zu können, um damit dann Profit zu machen. Als sehr positiv habe ich es empfunden, dass Lechner schreibt, dass die Forderung der Body Positivity Bewegung, welche proklamiert alle Körper sollten als „schön“ dargestellt werden, das Problem allein nicht lösen wird. In diesem Zusammenhang erfährt der*die Leser*in was dies alles mit dem neoliberalen Kapitalismus zu tun hat. Ich denke nicht nur mit dem neoliberalen Kapitalismus.

Im zweiten Kapitel geht es um die Geschichte die Widersprüche und Hierarchien und den dadurch produzierten Ausschlüsse innerhalb der Body Positivity Bewegung. Auch hier wird deutlich, dass der Kapitalismus versucht, alles zur Ware zu machen. Sehr deutlich wird angesprochen, dass es mit Selbstliebe, Salfe Care und schon gar nicht mit dem selbst optimierenden Geschwafel von Resilienz getan ist.

Es folgen sechs Kapitel in denen auf die verschiedenen Formen von Diskriminierung dicker Körper, schwarzer Körper, haariger Körper, queerer Körper, behinderter Körper (Beeinträchtigter Körper) alter Körper, eingegangen wird.

Als behinderter, weißer heterosexueller 35 Jähriger nicht dicker cis Mann werde hier nur genauer auf das Kapitel „behinderte Körper“ eingehen.

Genauso wie die anderen Kapitel über verschiedene Körper zeigt das Kapitel über „behinderte Körper“ was das alles mit dem Kapitalismus zu tun hat. Ich hätte mir allerdings bei der Analyse, warum Körper mit Beeinträchtigungen nicht Kapitalismusförmig sind, etwas ausführlicher gewünscht.

Ein paar Anmerkungen möchte ich zum Kapitel machen. Wenn in einem Satz darauf eingegangen wird das nicht alle Beeinträchtigungen gleich sind, sollte, wenn es um blinde – oder gehörlose Menschen geht, nicht schlecht/nicht gegenübergestellt werden. Denn das Wort „schlecht“ ist negativ konnotiert.

Das im gesamten Buch und speziell im Kapitel behinderte Körper nicht zwischen Behinderung und Beeinträchtigung unterschieden wird, halte ich für nicht sehr gelungen. Denn die Einleitung ins Buch verspricht da mehr, denn es wird die Definition von Behinderung der UN Behindertenrechtskonvention zitiert.

Lechners Freude über die zwei Modelabel „Auf Augenhöhe“ oder „Mob Industries“ schwächt meine Empörung über den Skandal, dass die Modeindustrie in ihrer Mehrheit keine Mode für kleinwüchsige Menschen oder für Rollstuhlnutzende Personen zur Verfügung stellt, nicht.

Meine oben schon geäußerte Kritik am Titel des Buches wird tatsächlich im Buch selbst aufgegriffen und zwar anhand der Kritik von Laura Gehlhaar daran.

Zum Abschlusskapitel „5 Schritte zur Schönheitsrevolution“ indem viel Richtiges steht, zwei Punkte meinerseits:

  1. wir sollten in Zukunft Metaphern „sehen“ oder blinde Flecken als politische Begriffe vermeiden.

  2. Mir fehlt ein deutlicher Aufruf dazu das kapitalistische System als Ursache von Ausbeutung, Ausgrenzung und Diskriminierung anzusehen ist und es deshalb überwunden werden muss. Das Buch Riot don´t Diet bekommt von mir eine Empfehlung

Riot Don´t Diet

 

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