Am 30. Januar 2026 erschien „Unbegründete Ängste“ von Res Sigusch beim Berlin Verlag. „Unbegründete Ängste“ spielt in einer ostdeutschen Kleinstadt. Protagonist ist der dreißigjährige Christian Lotz (Chrissi), er arbeitet als Fitnesstrainer, er hat eine Angsterkrankung und er ist schwul und sucht einen Partner. Er verliebt sich in Nikolas, den er im Fitnessstudio kennenlernt. Deser jobbt im Tierheim, deshalb beginnt Christian mit dem Ausführen von Hunden aus dem Tierheim.
Bei so einem Gassigang rennt ihm die Bulldogge Lui weg, vor einen Bus und stirbt dabei. Einen Tag später brennt der Wald in der Nähe vom Tierheim, in dem Chrissi war, als Lui weggelaufen ist. Da er seine Zigarette weggeworfen hatte, sich aber nicht mehr sicher ist, ob er sie ausgetreten hat, steigert er sich hinein, ob er schuld ist, dass der Wald abgebrannt ist.
Als schwuler Mann bemerkt Chrissi den immer stärkeren Rechtsruck und dieser macht ihm zurecht Angst.
Chrissi ist dabei, als Kai, sein Chef, den Trainer Sebastian fristlos kündigt, weil dieser wiederholt Frauen belästigt hat. Bei Sebastian wird im Laufe des Buches immer klarer das er extrem rechts steht.
Nach all diesen Vorfällen häufen sich die Panikattacken bei Chrissi und er fällt auf Arbeit immer mehr aus, fängt an Medikamente zu nehmen und zieht sich immer mehr zurück.
Seine Mutter, die zur Überbehütung ihres Sohnes neigt, verhält sich in dieser Situation sehr übergriffig. Es wäre aus meiner Sicht gut gewesen, nicht die Mutter in die Rolle der übergriffigen Person zu schieben, sondern den Vater, das hätte eine größere Möglichkeit eröffnet, über Männlichkeit und mentale Gesundheit zu reden. Die Mutter wird erst als eher unpolitisch dargestellt, entwickelt sich aber unter dem Einfluss einer Freundin nach rechts.Sein Vater wird als Links dargestellt, er hat sehr große Angst vor einem Bürger*innenkrieg. Bedingt durch das übergriffige Verhalten der Mutter und der politischen Differenzen trennen sich die Eltern. Der lange emotional abwesende Vater nähert sich durch diese Entwicklungen seinem Sohn an.
Durch die Rechtsentwicklung in der Stadt werden auch zunehmend die Strukturen des Mareks Gym angegriffen, nachdem diese sich eindeutig gegen Queerfeindlichkeit und gegen Nazis positionieren, auch hier verhält sich der Vater von Chrissi sehr solidarisch.
Auch während des Abtauchens von Chrissi aufgrund der Angststörung sind die Strukturen des Fitnessstudios gegenüber Chrissi von Solidarität und Akzeptanz geprägt. Nicht nur Chrissis Chef Kai kümmert sich um Chrissi. Auch Jette, Nikolas Schwester, die bei Chrissi für Verwirrung sorgt, als sie mit Nikolas zu trainieren kommt, weil Chrissi sie erst für die Freundin von Nicolas hält und somit denkt, er hätte keine Chance bei Nicolas. Zum Ende hin verabredet sich Chrissi endlich mit seiner Chat-Bekanntschaft Leo, einem trans Mann. Von Jettes angedeuteter Darmerkrankung hätte ich gerne noch mehr erfahren.
Die Rechten hätten aus meiner Sicht noch deutlicher als AfD benannt werden dürfen. Die kleinstädtische Atmosphäre erhöht die Überzeugungskraft, die das Buch „Unbegründete Ängste“ entfaltet. Das Buch „Unbegründete Ängste“ ist eine absolute Empfehlung, das einzige, was mich nicht überzeugt hat, war der Titel.