Der undankbare Flüchtling von Dina Nayeri eine Rezension

Dina Nayeri schreibt in ihrem Buch Der undankbare Flüchtling über ihre Flucht aus dem Iran. Sie schildert unter anderem ihre Flucht über ein Durchgangslager in Italien, in die USA und wie sie und ihre Familie sich dort ein neues Leben aufbauen. Das Buch wurde aus dem Englischen von Yasmin von Rauch übersetzt und erschien 2020 bei Kein & Aber, Zürich. Es wird aber keine rein individuelle Geschichte erzählt, denn ihr Buch enthält auch Teile der Geschichte von anderen Menschen mit Flucht oder Migrationsgeschichte z.B. von Darius, Kaweh und Kabitz.

Dina Nayeri schildert den Umgang der Mehrheitsgesellschaft mit Geflüchteten. Sie erzählt davon, wie ihre Fluchtgründe ihre Identität prägten und was das mit teils übergriffigen Fragen zu tun hat. Eine dieser Fragen war z.B. warum ihre Mutter denn nicht einfach verschwiegen hat, dass sie Christin ist. Die Leser*innen erfahren, wie unterschiedlich die Reaktionen der Mehrheitsgesellschaft, auf verschiedene Gruppen, von Geflüchteten z.B. denen die aus wirtschaftlichen oder aus politisch/religiösen Gründen geflüchtet sind, und was diese Reaktionen mit der Handlungsmacht der Betroffenen macht.

Dina Nayeri weist auf die Verantwortung des Westens für die weltweite Lage hin und wie sich dieser abschottet. Geflüchteten Menschen wird immer wieder abgesprochen, dass ihre Entscheidung, ihr Geburtsland zu verlassen, legitim war.Eines der Narrative, mit dem Zweifel gesät werden, ist z.B, dass geflüchteten Menschen abgesprochen wird, über schöne Momente im Geburtsland zu reden, ohne dass ihre Fluchtgründe angezweifelt werden. Dina Nayeri schreibt über ihre Zeit im Iran und wie die Repression des Regimes ihren Alltag durchzog aber auch über die schönen Seiten.

Im zweiten Teil des Buches geht Dina Nayeri genauer auf die Flucht aus dem Iran über Dubai nach Italien und dann in die USA ein. Sie schildert dies sehr detailliert, sodass die Leser*innen ihre Lage zu dieser Zeit verstehen können. Auch von ihren Reisen durch Europa Jahrzehnte nach ihrer Flucht und ihrem Leben in den USA, berichtet sie. Diese Reisen gingen nach Griechenland und nach Italien zu den heutigen Lagern für Geflüchtete, aber auch zu Stationen ihrer eigenen Flucht. Sie schreibt über die Erfahrung des „Warten müssens“ und über das Gefühl, immer Dankbar sein zu müssen, ohne sich jemals beschweren zu dürfen.

Man erfährt von Dina Nayeris Großmutter, die den Iran schon vor der sogenannten islamischen Revolution verlassen hatte und deren Integration in die englische Gesellschaft die Grenzen der Assimilation überschritten hat. Im dritten Teil des Buches beschreibt Dina Nayeri die Jahre ihrer Jugend in den USA und wie sie sich, fast schon verbissen, ihren iranischen Akzent abtrainiert. Genau so intensiv widmet sie sich dem Taekwondotraining. Für ihr hartes Training gab es einen Grund: Sie wollte es unbedingt auf die Harvard-Universität schaffen und musste dafür auf einem Gebiet, egal welchem, außergewöhnliche Leistungen vorweisen. Durch solche Beispiele wird deutlich, dass Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte wesentlich mehr leisten müssen, um Anerkennung zu erfahren. Sie beschreibt den Integrations- bzw. Assimilationsdruck, dem sie und ihre Familie ausgesetzt war. Sie geht darauf ein, dass die Mehrheitsgesellschaft dauerhafte

Dankbarkeit und eine demütige Haltung von Migrant*innen erwartet. Sie beschreibt die teils sehr entwürdigende Prozedur im Asylverfahren. Im Vierten Kapitel geht Dina Nayeri ausführlich auf die Assimilationsforderung ein die die US-Gesellschaft allen migrierten Personen abverlangt. Durch das ganze Buch zieht sich die Erwähnung ihrer Zwangserkrankung so wie sie darüber schreibt macht deutlich, wie diese durch gesellschaftliche Bedingungen beeinflusst wird. Im fünften Abschnitt wird die Lektüre abgeschlossen.

Eine Frage, die sich mir beim Lesen stellte war, ob die sparsam verwendete, aber vorkommende Metapher „der eigenen Wurzeln“ auch im Original vorkommt? Die Frage nach den Wurzeln, signalisiert den Personen denen diese gestellt wird, dass in Frage gestellt wird, dass sie dort hingehören, wo sie gerade leben. In diesen Zusammenhang stellt sich die Frage warum der deutschsprachige Schweizer Verlag mit dem neuen Cover die Symbolik des Original Covers so massiv verändert. Denn das Originalcover von der undankbare Flüchtling zeigt eine Blume mit komplettem Wurzelwerk die deutschsprachige Ausgabe zeigt einen Eichensetzling mit ausgerissener und abgerissener Wurzel.

Das Buch der undankbare Flüchtling mach mir erneut deutlich, dass Integration ein Zustand ist, der nicht anzustreben ist, sondern dass eine inklusive Gesellschaft bessere Lebensverhältnisse für alle wäre.

Riot Don´t Diet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.