“Brutal fragile Typen“. von Ole Liebl eine Rezension

Am 24. März 2026 ist  “Brutal fragile Typen“. Männer und Gefühle von Ole Liebl bei Harper Collins erschienen. In diesem Buch wirft Autor und Podcaster Ole Liebl einen kritischen Blick auf moderne Männlichkeitsbilder. Er zeigt, wie stark emotionale Kälte, Leistungsdruck und tradierte Rollenbilder bis heute wirken – und warum sie nicht nur Frauen, sondern auch Männern selbst schaden.

Im Internet organisiert sich seit einigen Jahren, in der sogenannten Manosphere, der Frauenhass.

Podcaster und Queeraktivist Ole Liebl will  nicht nur kritisieren, sondern verstehenen. wieso dieses reaktionäre Phänomen bei meist jungen so erfolgreich ist.  Ole Liebels These ist, dass es die sich als Coaches ausgebenden Männer mit ihren Thesen gegen Feminismus und die angeblich immer stärkere Macht von Frauen, es besonders gut schaffen, sich  an die Gefühlswelten der vor allem jungen Männer anzudocken. 

Eine weitere These  Liebls ist daraus folgend  „Die Gefühlswelten von Männern sind der Schlüssel, um die von Männlichkeit hervorgebrachten Identitäten, Politiken und sozialen Verhältnisse feministisch zu erfassen und zu wenden.

An Vorbildern orientiert, lernen schon Kleinstkinder zu fühlen, wie es die Umgebung für richtig hält. Darum ist die Manosphere so gefährlich vorallem wenn sie männliche Jugendliche und Junge Männer erreicht die  besonders formbar sind und diese dann mit den falschen Fühlreflexen ausstattet.

 Liebl beschreibt, dass Männlichkeit  eben keine Eigenschaft ist, die man an sich trägt, sondern ein vermitteltes Netz aus Ansprüchen, das objektiv gemeinschaftsbildend ist und subjektive Forderungen an den Einzelnen richtet.

Liebl betont immer wieder, dass Männer nicht weniger fühlen, auch wenn sie statistisch gesehen einen schlechteren Zugriff auf ihre Emotionen haben. – Ihnen fehlt die Sprache, mit der sie die vorhandene Emotionslage artikulieren könnten. Weil ihnen das vom patriarchalen System als Schwäche ausgelegt würde und somit als unmännlich.

Hier setzt der prototypische rechte Influencer laut Liebl an, wenn er gewöhnlichen Unsicherheiten des kapitalistischen Alltags eine plausible Interpretation verleiht. Hier muss die Frage erlaubt sein, ob es nur etwas mit unterdrückten Gefühlen zu tun hat, wenn Männer in Frauen hauptsächlich Konkurrentinnen sehen und dafür den Feminismus verantwortlich machen, oder ob es nicht schlicht um Privilegien und somit Machterhalt  geht. 

Auch zu fragen wäre, welche Schuld eine politische Linke an diesem Zustand hat die es in den letzten Jahrzehnten versäumt hat ein Mindestmass an Klassenbewusstsein zu vermitteln und somit eine Lücke für solche reaktionären Deutungsmuster wieder weiter geöffnet hat anstatt sie immer weiter zu schließen. 

Gut finde ich den Überblick, den Liebl über die verschiedenen Strömungen der Manosphere gibt. Schade ist das Liebl deren innere Widersprüche und wie Ole Liebl andeutet Feindschaft untereinander nicht näher beleuchtet, weil vielleicht läge darin ein Hebel, dieses reaktionäre Netz zu zerschlagen. 

Ein sehr starkes Kapitel ist jenes in dem Liebl ausführt, warum bei dem, was von weiblich sozialisierten Menschen an Mehraufwand in jeglicher Beziehung mit Männern geleistet wird, nicht von emotionaler Arbeit, sondern von emotionaler Ausbeutung zu sprechen. Diese Erkenntnis ist eine Aufforderung auch an wirklich progressive Männer, sich ständig selbst zu reflektieren und ihr Verhalten gegebenenfalls zu ändern.

Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung:

Wenn Ole Liebl den Prototyp des Mannes als weiß heterosexuell und bürgerlich charakterisiert und dann in Klammern hinzufügt. Ja man könnte jetzt noch viele weitere Faktoren wie westlich, nicht behindert, gebildet, besitzend usw. anfügen – dann wirkt das auf mich wie schlechte Analyse aus Faulheit sich damit zu beschäftigen welche Auswirkungen diese Faktoren auf die vom Gegenteil betroffenen z.B. behinderte Männer in ihrer Stellung zu Patriarchat haben und das dies Auswirkungen hat, stellt Liebl an versklavten Schwarzen Männern, die als Abweichung der Norm Mann konstruiert wurden, sehr gut da. 

Mich hat das Buch Brutal Fragile Typen nicht Restlos überzeugt.

https://www.instagram.com/oleliebl/

https://inklusion-statt-integration.de/behinderung/buechern-filmen-spielsachen/

 

Schreibe einen Kommentar