Anna Mühlhause SPAS(S)TI – Wenn Weglaufen keine Option ist

SPAS(S)TI – Wenn Weglaufen keine Option ist erschien im tredition Verlag 2020 Anna Mühlhause, geboren 1998, schreibt in ihrem Buch auf 220 Seiten „SPAS(S)TI Wenn Weglaufen keine Option ist“ gleich im Vorwort das sie nichts von der Mensch zuerst Methode hält, sondern nennt sich selbst eine „Behinderte“. Sie hat eine Spastik, nutzt einen Rollstuhl und sagt über sich selbst, dass sie bis vor wenigen Monaten noch nicht einmal einen Stinkefinger mit ihrer linken Hand machen konnte. Über den Besuch einer Eisdiele schreibt sie:

„Es ist zwar ein Eis to go, scheinbar aber ohne therapeutische Wirkung.“

Sie schreibt, wenn jüngeren Leser*innen hören, dass sie Spastikerin ist, wahrscheinlich denken:

„was so etwas gibt es wirklich?! Ich dachte immer Spasti sei einfach nur ein lustiges Schimpfwort“

Dies ist einer ihrer zahlreichen, meist sarkastischen Witze. Bei diesen Witzchen fühlt sich mein jüngeres Ich ertappt. Sie erklärt sehr anschaulich, was ein*e Spastiker*in ist und wie sich das sowohl durch Barrieren als auch durch die Spastik selbst auf ihren Alltag auswirkt.

Man erfährt auch, wie es kam, dass sie eine „normale“ Schule besuchen „durfte“. Sie schildert, wie sie vom regulären Schulbus, den sie von der 2. bis zur 5. Klasse mit ihrem Rollstuhl nutzen konnte, durch den Wechsel auf eine neue Schule, auf ein Rollstuhltaxi umsteigen musste und was für ein Verlust an Freiheit das für sie war.

Anna Mühlhause beschreibt anschaulich, wie Therapien und Schule ihr Leben strukturieren und welche Erfahrungen sie dort mit Schulassistenz machen konnte. In erfrischender Klarheit erfahren die Leser*innen, was sie von ihren Schulassistent*innen erwartete und wie diese Erwartungen oft nicht erfüllt wurden.

Sie schreibt über negative Erfahrungen mit Sonderpädagog*innen und von üblem Mobbing durch Mitschüler*innen aber auch durch Lehrer*innen. Ihre negativen Erfahrungen mit Berufsorientierungstagen lesen sich ebenso spannend wie die guten Erfahrungen auf Ausflügen mit der Klasse am Gymnasium.

Sie erzählt von humorlosen Ärzten oder von Ärzt*innen die mit Dritten über sie redeten, ihre Fragen aber nicht beantworten, und: wie völlig unfähig waren und immer noch sind.

Anna Mühlhause lässt die Leser*innen teilhaben an ihrem Entscheidungsprozess, ihre Skoliose operieren zulassen und und erzählt ihnen von den Menschen, die in der Zeit vor der Operation, während des Krankenhausaufenthaltes und danach eine Hilfe waren.

Sie beschreibt verschiedene Menschen und wie sie mit behinderten Menschen umgehen, beispielsweise dass ihr schon von fremden Menschen Geld zugesteckt wurde.

Das was sie dort beschreibt kann ich bestätigen. Sowas passiert behinderten Menschen nämlich öfters. Im Ernst: lasst das, liebe Mitmenschen.

Durch die flapsige Art und Weise, wie das Buch SPAS(S)TI – Wenn Weglaufen keine Option ist geschrieben ist, ist es meines Erachtens ein Jugendbuch aber durchaus eine Empfehlung!

Arbeit Inklusion statt Integration Sexualassistenz

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