Im Mai 2023 erschien im Limmat Verlag Das Buch “Wir müssen reden – ein biografisches Manifest” von Islam Alijaj. Er wollte bei Erscheinen dieses Buches Nationalrat in der Schweiz werden (Parlamentarier). Islam Alijaj ist Aktivist für behinderte Menschen und steht für eine Politik für behinderte Mensche, die sich an der UN-BRK orientiert. Bei Erscheinen des Buches 2023 standen die Chancen dafür schlecht, dass er sein Ziel, Nationalrat zu werden, erreicht. Im Februar 2026 ist eine erweiterte Auflage des Buches „Wir müssen reden – ein biografisches Manifest“ erschienen. Darin reflektiert Islam Alijaj die Zeit zwischen Mai 2023 und der Abgabe des Manuskripts für die Neuauflage. Der Titel für diese Reflektion (die er selbst nicht erstes Kapitel nennt) ist “Wir haben Geschichte geschrieben – Hatte ich zu klein geträumt? Ich?!Ja.” Diese Reflektion beginnt mit einer Pressekonferenz einer Bundesrätin. Das Thema ist die Inklusionsinitiative, zu der sie ankündigt, einen Gegenvorschlag vorzulegen. Warum Islam Alijaj darauf so Euphorisch reagiert und meint sie, die Initiatorinnen dieser Initiative würden ernst genommen, erschließt sich mir nicht ganz. Würde ernstnehmen nicht bedeuten, der Bundesrat setzt die Inklusionsinitiative in Schweizer Recht um? Die Inklusions-initiative wurde im September 2024 in Form von Unterschriften an den Bundesrat übergeben. Nach diesem Vorgriff knapp ein Jahr nach seiner Wahl zum Nationalrat im Oktober 2023, reflektiert Islam Alijaj die Zeit von Mai 2023 bis Ende 2024 chronologisch mit Höhen und Tiefen, beginnend mit dem Kampf um einen Listenplatz für den Nationalrat bei der SP, dem darauf folgenden Wahlkampf, seine Wahl und sein erstes Jahr als Nationalrat. Islam Alijaj macht dabei seine Privilegien sichtbar, die er als Nationalrat bei der Egalisierung seiner Behinderung hat, angefangen bei besserer Versorgung mit Assistenz. Diesen neuen Abschnitt hätte ich rein chronologisch erzählt und als neues Kapitel 6 chronologisch an die richtige Stelle gesetzt.
Nach dieser Reflexion geht es weiter mit dem ersten Kapitel der Erstauflage. Dieses ist ein fiktiver Rückblick aus dem Jahr 2036- In diesem resümiert Islam Alijaj seine 12-jährige Politkkarriere als Nationalrat und überlegt, ob er noch für ein Regierungsamt kandidieren soll. In der Erstauflage war dieser Teil Kapitel eins und noch völlig fiktiv. Jetzt im Jahr 2026 hat Islam Alijaj schon zweieinhalb Jahre seiner ersten Amtszeit als Nationalrat absolviert. Diesen fiktiven Rückblick hätte ich wieder zum wirklich ersten Kapitel gemacht.
In den Kapiteln 2-5 geht es um die reale Biographie von Islam Alijaj bis Mai 2023. Islam Alijaj ist mit Zerebralparese am 18 Juni 1986 in Kosova geboren, es war eine Hausgeburt. Während der Geburt kam es zu einer kurzzeitigen Unterversorgung mit Sauerstoff. Seine Kindheit und Jugend musste Islam Alijaj auf einer Sonderschule verbringen, auf der er nicht gefördert wurde. Er machte seine erste Ausbildung in einer separaten Struktur nur für behinderte Menschen. Diese Strukturen und die Menschen, die dort arbeiteten, behinderten ihn aktiv beim Wunsch zu studieren, was ihn politisierte.Seine ersten Versuche, unternehmerisch aktiv zu werden, scheiterten, weil er von seinem Umfeld nicht unterstützt wurde, brachten ihm aber den Spitznamen „Steve Jobs der Behinderten-Revolution“ ein. Sein großes Vorbild seit seiner Jugend ist Steve Jobs, deshalb waren seine ersten unternehmerischen Versuche auch davon geprägt, Apple Lizenzen für Kosova zu erwerben. Er gründete im Laufe der nächsten Jahre verschiedene Behindertenrechtsvereine in der Schweiz. Er tritt in die SP ein, 2022 scheitert sein erster Versuch, Nationalrat zu werden. 2022 gelingt ihm aber der Sprung in den Züricher Stadtrat.
Sein Wahlkampfslogan 2023 für den Nationalrat war „Geschichte schreiben“. Dieser Wahlkampf endete überraschenderweise mit dem Einzug ins Parlament.Nach Kapitel 5 kommt eine sehr ausführliche Bildergalerie aus dem Leben von Islam Alijaj.
In Kapitel 6 kommen einige seiner Mitstreiter*innen und seine Familie zu Wort
Kapitel 7 ist ein Gespräch zwischen Islam Alijaj und Chrisoph Keller.
Im 8. Kapitel ist ein Text von Christoph Keller mit dem Titel „Mein Bruder Gregor Samsa – Eine Zumutung“ abgedruckt. Darin benennt Christoph Keller sehr deutlich, was in der Schweiz schief läuft in Bezug auf behinderte Menschen. Das 8. Kapitel ist aus meiner Sicht das überzeugendste Kapitel des Buches. Für mich sind seine Vorschläge aus dem Wahlkampf 2023 für bessere Assistenz, eine bessere Sozialversicherung, die auch Menschen mit Beeinträchtigung nutzt und nicht ihre Potenziale behindert gute sozialdemokratische Vorschläge, aber nicht mehr dasselbe gilt für seine Arbeit im Nationalrat. Das Buch “Wir müssen reden” ist eine Leseempfehlung.