Corona, Krise, Kapital erschienen im Papy Rossa Verlag eine Rezension

InCorona, Krise, Kapital“- Plädoyer für eine solidarische Alternative in den Zeiten der Pandemie von Verena Kreilinger / Winfried Wolf / Christian Zeller, erschienen in der Reihe Neue Kleine Bibliothek im Papy Rossa Verlag ist zu lesen , was der Kapitalismus mit der Corona Pandemie zu tun hat und wie deren Auswirkungen durch diesen verschlimmert werden. Die Autor*innen zeigen auf, dass die Interessen der Wirtschaft vor dem Schutz der Menschen kommen. Die Autor*innen eine globale Strategie zur Bekämpfung dieser und künftiger Pandemien. Es wird deutlich, dass z.B, der gesamte Gesundheitssektor endlich nach den gesellschaftlichen Bedürfnissen ausgerichtet werden müsste. Die Autor*innen fordern auch einen solidarischen und ökologischen Umbau der Wirtschaft und plädieren dafür die Machtfrage zu stellen. Im Vorwort des Buches gehen die Autor*innen auf den Austritt der USA aus der WHO am 7. Juli 2020 ein und wie damit vom Versagen der Regierung Trump bei der Bekämpfung der Corona Pandemie abgelenkt werden sollte, indem die Schuld an der Corons Pandemie alleine China in die Schuhe geschoben wurde. Beim Lesen wird klar, wie die europäischen Regierungen und die US-Regierung durch Überheblichkeit und Arroganz China gegenüber, welches sehr konsequent reagierte als dort die Corona Pandemie ausbrach, die Eindämmung der Ausbreitung von Anfang an verhindert haben. Anders als in Europa und den USA hat es in China während des Lockdowns eine konsequente und Lückenlose Teststrategie gegeben. Außerdem bezog sich in China der angeordnete Lockdown während der Corona Pandemie eben auch auf die Schließung großer Produktionsstätten. In ähnlich rassistischer Manier reagierte Armin Laschet als es bei Tönnies zu einem großen Ausbruch kam und er die Schuld auf die migrantischen Leiharbeiter*innen schob. Beide Vorgänge machen deutlich, dass durch rassistische Rhetorik die Schuld, die die Arbeits- und Lebensverhältnisse im Kapitalismus an der Ausbreitung der Pandemie haben, verdeckt werden soll. Die Autor*innen weisen nach, dass die wirtschaftliche Krise durch Corona zwar beschleunigt und verstärkt wurde, es sich aber eigentlich um ein normale zyklische Krise im Kapitalismus handelt. Sie kritisieren beispielhaft die Fehlanreize, die von den Herrschenden gesetzt werden, in dem z.B. Milliarden in Klimakiller wie den Lufthansakonzern investiert werden und somit die Klimakrise angeheizt wird. Trotz der massiven Kritik beim Umgang mit der Pandemie durch die Regierungen machen die Autor*innen gleich klar, dass sie die angeordneten Abstands und Hygieneregeln für richtig halten, auch wenn sie sie als einseitig und ungenügend kritisieren. Ihre Kritik geht dahin, dass die Einschränkungen einseitig das Privatleben betreffen zu und die persönlichen Freiheiten der Bevölkerung betreffen, während in den Großkonzernen weiterhin dicht an dicht produziert werden durfte, egal ob Auto oder Waffenindustrie. Die Autor*innen gehen im in einem kleinen historischen Abriss auch darauf ein, welchen Einfluss die verschiedenen Stadien der gesellschaftlichen Entwicklung auf die Ausbreitung von Pandemien haben, von der Sesshaftwerdung über die Kolonialisierung bis Zur Industriellen Revolution und der mit ihr einhergehenden Verstädterung.

Ein wichtiger Punkt ist auch, dass darauf eingegangen wird welchen Einfluss der soziale Status eine Person in einer Pandemie, wie der derzeitigen, hat.

Die Ausbreitung des Corona Virus lässt sich von Wuhan an Hand der Warenströme nachverfolgen. Die Warnungen, die China aussprach, und auf die die Nachbarländer sofort reagierten, wurden in Europa und den USA zu lange ignoriert. In Europa , wie in den USA setzte man darüber hinaus auch noch auf die Strategie der „Herdenimmunität“ weil man dachte, dass es den „produktiven“ Teil der Gesellschaft schon nicht so hart treffen werde. Ein verheerender Trugschluss, der die maroden und durch kapitalistische Sachzwänge schon kaputt gesparten Gesundheitssystem z.B. Italien an den Rand des Kollaps brachte. Was die Profitlogik des Kapitalismus für das Gesundheitssystem bedeutet, macht dieses Zitat aus der Wochenzeitung „ZU“ der DKP deutlich. Dieses Zitat ist im Buch in gekürzter Form abgedruckt.

UZ: Vor der Pandemie streikten viele Krankenhausbeschäftigte für Entlastung. Wird jetzt die Pandemie benutzt, um die neuen Tarifverträge auszuhebeln?“

Dazu Jana Langer: „Spahn hat schon den Anfang gemacht. Die Personaluntergrenzen, die er eingeführt hat und die nicht der große Wurf waren, sind weg, um die Kliniken zu entlasten. So ist es jetzt möglich, dass eine Intensivfachkraft fünf bis sechs Leute betreut, ohne dass die Kliniken Strafe zahlen müssen. Unsere Entlastungsbewegung, die wir an den Kliniken gestartet haben, ist damit völlig ad absurdum geführt. Ich war schockiert, als Spahn sagte, in so einer Krise wie dieser Pandemie müssen wir qualitativ noch besser arbeiten, vor allen Dingen aus hygienischer Sicht. Überlastet man aber jetzt das Personal, ist es eine logische Folge, dass die Qualität der Arbeit darunter leidet.“

Deutlich wird, dass wenn es zu Überlastungen kommt und die Kapazitätsgrenzen in den Krankenhäusern erreicht werden, aussortiert werden muss. Das heißt, es wird nicht mehr jede*r behandelt. Zu befürchten ist, dass diese Maßnahmen dann zuerst alte Menschen mit Vorerkrankungen oder Menschen mit Beeinträchtigungen, aber auch Arme Menschen trifft.

In den USA aber auch in Europa sind überdurchschnittlich viele Schwarze Menschen oder People of Color von solchen Maßnahmen betroffen, weil durch rassistische Strukturen ihre Gesundheitsversorgung schlechter ist. Rassismus tötet! Die Arbeit macht auch deutlich, wie sich patriarchale Strukturen in der Pandemie verstärken, ebenso wie der Klassencharakter einer Gesellschaft. Kritisch und sehr vorausschauend bewerten die Autor*innen die auf Druck der Wirtschaft erfolgten Öffnungen nach der ersten Welle (durch die zweite Welle bestätigen sich die Befürchtungen der Autor*innen.) Dankenswerterweise weisen die Autor*innen daraufhin das es nicht im Sinne einer emanzipatorische Politik sein kann, den sozialen Ängsten und Nöten derjenigen die von den Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie am härtesten betroffen sind dadurch entgegenzukommen in dem mensch die Gefährlichkeit des Virus leugnet oder verharmlost. Sie sprechen sich für eine klassenpolitisch bewusste Öffnungsstrategie aus, ihren 11 Punkten ist dabei voll und ganz zuzustimmen. Besonders herausheben möchte ich hier aber nur zwei Punkte:

1. erhöhte Testkapazitäten für Sexarbeiter*innen statt für Profifussballer*innen

2. sollten erneut Kontaktbeschränkungen nötig sein sollten erst nicht lebensnotwendige Produktionen wie Autowirtschaft oder Waffenproduktion stillgelegt werden und nicht Schulen.

Die Waffenproduktion könnte meiner Meinung nach auch dauerhaft geschlossen bleiben. Das Buch setzt sich auch sehr differenziert mit den „Argumenten“ der Coronaleugner*innen auseinander.

Es gibt ein Kapitel welches sich mit dem Versagen der EU in der Krise auseinandersetzt. Dies ist, meines Erachtens, eines der Kapitel mit Schlüsselfunktion für linke Diskurse, weil es mit, von manchen linken in die EU gesteckten Mythen und Erwartungen, aufräumt und Illusionen zerstört. Denn es wird deutlich das die EU aus ihrer inneren imperialen Logik heraus nicht solidarisch in der Krise sein kann und somit kein integratives oder sogar inklusives Projekt ist. Bevor sie das Buch mit einem prägnanten Fazit abschließen stellen die Autor*innen noch ein paar Vorschläge zu einer solidarischen Pandemiebekämpfung vor. Diese verbinden sie mit, in ihrer Ganzheit nicht ganz nachvollziehbaren, Kritik an der sozialistisch kommunistischen Linken im allgemeinen und der Partei die Linke im Besonderen und deren praktizierter Passivität was eigene Forderungen angeht. Ihre Forderungen werden in vier Säulen eingeteilt:

  • Erste Säule: Bekämpfung der Pandemie
  • Zweite Säule: Grundlegender Umbau des Gesundheitssystems
  • Dritte Säule: Umverteilung von Reichtum
  • Vierte Säule: Solidarität auf Lokaler und Globaler Ebene.

Den dort gemachten Vorschlägen stimme ich voll und ganz zu. Schade ist das es kein eigenes Kapitel zur Pandemiebekämpfung in der DDR gibt. Dadurch bleibt ungesagt, was wir daraus im 30 Jahr des Anschlusses, hätten lernen können.

Ausführlicher hätte ich mir auch eine Auseinandersetzung mit der sog. Triage, also dem Aussortieren von Menschen bei Überlassung des Gesundheitswesens, gewünscht. Umso zu verdeutlichen, was diese für beeinträchtigte, vorerkrankte und alte Menschen bedeutet würde.

Das Buch ist voll und ganz zu empfehlen, vor allem für Weihnachten 2020 als Geschenk für die Teile der Verwandtschaft, die sich berechtigte soziale Sorgen machen und bei denen dadurch zu befürchten ist, dass sie Rechts offenen bis faschistischen Kräften auf den Leim zu gehen.

Arbeit Inklusion statt Integration Sexualassistenz

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