Die Arbeitssituation behinderter Menschen ist prekär

Auch bei Menschen, die in Einrichtungen der sogenannten Behindertenhilfe leben, nimmt Arbeit einen nicht unerheblichen Anteil der Lebenszeit ein. Ein Blick auf die Arbeitssituation behinderter Menschen zeigt teilweise prekäre Zustände,  verstärkt bei denen, die in Einrichtungen der Behindertenhilfe leben, denn viele dieser Menschen arbeiten in einer Werkstatt für behinderte Menschen.

Arbeitssituation im System der Behindertenwerkstätten: Fakten

2018 wurden folgende Zahlen durch die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAGWfbM), an die Bundesarbeitsagentur übermittelt:

  • Der BAGWfbM gehören 681 Hauptwerkstätten an. Es gibt 2.759 Betriebsstätten, dort arbeiten über 310.000 Werkstattbeschäftigte.
  • 11,6 % der Beschäftigten im Arbeitsbereich gehen einer Teilzeitbeschäftigung nach und nach fast die Hälfte der Zugänge in das Eingangsverfahren sind „Quereinsteiger“ mit Vorerfahrungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.
  • 44% der Werkstattbeschäftigten sind weiblich, 56% sind männlich.
  • 75% aller Werkstattbeschäftigen sind Menschen mit einer geistigen Behinderung.
  • 21% haben eine psychische Beeinträchtigung.
  • 3,4% haben eine körperliche Beeinträchtigung.

Behindertenwerkstätten menschenrechtlich bedenklich

Bereits 2016 äußerte sich das Deutsche Institut für Menschenrechte folgender Maßen viele Menschen mit Behinderungen haben kaum Chancen auf einen Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, weil die Arbeitsplätze dort nicht inklusiv gestaltet seien.
Das Institut für Menschenrechte äußert auch dass das System der Behindertenwerkstätten aus menschenrechtlicher Perspektive bedenklich ist. Behinderte Menschen arbeiten dort isoliert von Menschen ohne Beeinträchtigung. Sie erhalten für ihre Tätigkeit nur ein sehr geringes Entgelt. Das durchschnittliche Monatsentgelt einer Werkstattbeschäftigten beträgt rund 181€. Alleine der Fakt dieses niedrigen Entgelts macht deutlich, dass die Arbeitssituation behinderter Menschen prekär ist.
In der UN-BRK in Artikel 27 – „Arbeit und Beschäftigung“ werden folgende Grundlagen durch die Vertragsstaaten anerkannt.

  • a) Das gleiche Recht von Menschen mit Behinderungen auf Arbeit; dies beinhaltet das Recht auf die Möglichkeit, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, die in einem offenen, inklusiven und für Menschen mit Behinderungen zugänglichen Arbeitsmarkt und Arbeitsumfeld frei gewählt oder angenommen wird.
  • b) Das gleiche Recht von Menschen mit Behinderungen auf gerechte und günstige Arbeitsbedingungen, einschließlich Chancengleichheit und gleichen Entgelts für gleichwertige Arbeit.

Am 13. Mai 2015 hatte das Committee on the Rights of Persons with Disabilities (CRPD), in den abschließenden Bemerkungen zu dem ersten Staatenbericht Deutschlands unter anderem Kritik beim Thema Arbeit und Beschäftigung (Art. 27) angebracht.
Der Ausschuss äußerte seine Besorgnis gegenüber der Segregation auf dem Arbeitsmarkt des Vertragsstaates (BRD). In diesem Zusammenhang prangerte der Ausschuss auch die finanziellen Fehlanreize, die Menschen mit Behinderungen am Eintritt oder am Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt hindern an. Ebenso wurde der Umstand kritisiert, dass segregierte Werkstätten für behinderte Menschen weder auf den Übergang zum allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereiten, noch diesen Übergang fördern.
Der damaligen Empfehlung des CRPD an die BRD durch entsprechende Vorschriften wirksam einen inklusiven, mit dem Übereinkommen in Einklang stehenden Arbeitsmarkt zu schaffen, um so als Vertragsstaat allen Punkten des Artikel 27 der UN-BRK gerecht zu werden, kam die Bundesrepublik Deutschland bis heute nicht nach.

Die Arbeitslosigkeit bei behinderten Menschen ist doppelt so hoch wie bei nicht behinderten Menschen.

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