Am 11. August 2026 erschien „Gulistan“ von Karosh Taha im DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG. Gulistan, die Protagonistin, lebt mit ihrem Mann Çiya als Kurdin im Irak unter Saddam Hussein. Sie wird verfolgt für ihre Sprache, ihr Denken, ihr ganzes Sein als kurdische Frau. Als Çiya verschwindet, begibt sich Gulistan auf die Suche nach ihm. Nichts kann ihren Willen brechen, ihren geliebten Mann wiederzufinden, auch wenn ihr immer wieder das Ausmaß ihrer eigenen Ohnmacht vor Augen geführt wird. Schließlich begegnet sie Çiya bei einer Versammlung inmitten einer Menschenmasse wieder – in der Uniform des Diktators, als dessen “Doppelgänger”. Gulistan wird verhaftet und verliert zunehmend den Verstand, aus meiner Sicht ist auch nicht ganz klar inwieweit die Wahrnehmung, die sie von Çiya hat, noch Realität oder schon wahnhafte Trugbilder sind. Karosh Taha beschreibt in ihrem Roman, wie das Leben in der Diktatur unter Saddam Hussein geprägt ist von Misstrauen und Gewalt. Niemandem, wirklich niemandem kann mensch vertrauen und wie das zu psychischen Ausnahmesituationen führt, bis zu paranoiden, psychotischen Zuständen. Diese psychotischen Zustände, unter denen Gulistan leidet, versucht Karosh Taha durch die Art und Weise, wie sie ihren Text collagenhaft montiert, auch formell im Text zu verarbeiten. Der Roman hat neben Prosa-Anteilen auch lyrische Elemente. Der Text ist zu großen Teilen in einer sehr poetischen Sprache verfasst, es tauchen im Text immer wieder kurdische Worte und auch viele Stellen und Anspielungen aus dem Koran auf. Auch konkrete Poesie nutzt die Autorin, um den Inhalt zu unterstreichen, wird z.B. von einem Schuss gesprochen, ist auf einmal ein großes Loch im Text. Zur Strukturierung und zum Verständnis der Handlung dient, dass jeder, der sich immer mehr im Schmerz steigernden Kapitel, mit Ausschnitten aus einem Gespräch eingeführt wird, das der Leibarzt von Saddam Hussein mit einem Journalisten geführt hat und in dem es um Saddam Hussein aus der Sicht eines Insiders geht. Ein wichtiges inhaltliches Element neben dem wahnhaften Element, sind die immer wieder auftauchenden Menschen mit sichtbaren Spuren von Folter. Aus meiner Sicht hätte ein bisschen weniger stilistische Spielerei dem Text und seiner Zugänglichkeit gut getan, so ist „Gulistan“ eher nur für Fans des experimentellen Schreibens eine Empfehlung.
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