Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104 eine Rezension

CN der Autorin: zu Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104 In diesem Roman geht es um Gewalt ggü. Heimkindern in West-Deutschland in der Nachkriegszeit und um sexuellen Missbrauch sowie deren seelische Folgen bis in die Gegenwart.

Am 14. August 2025 erschien der neue Roman von Susanne Abel.“Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104” bei dtv. Dieser Roman ist in zwei Zeitstrahls geteilt. die im Buch ineinander verwoben sind der erste Zeitstrahl geht von 1945 bis 1967 und der zweite Zeitstrahl geht von 2006-2017.                                                         

Der erste Zeitstrahl erzählt die Geschichte von Hardy (Hartmut) und Margret beide haben durch den Krieg ihre Eltern verloren und sind in einem der vielen Kinderheime in West-Deutschland untergekommen. Der verschüchterte fünfjährige Hartmut, der mit niemandem spricht ist mit einem Kindertransport aus Danzig nach Deutschland gekommen und da der Name auf dem Pappschild das er um den Hals trug nicht mehr richtig leserlich war, nannte man ihn Hartmut und schätzte sein Geburtsdatum auf xx.xx.1942. Margret wird Hartmut später liebevoll „Hardy“ nennen. 

Auch Margret ist ein Waisenkind, sie kommt aus Gelsenkirchen. Beide erleben in ihrer gemeinsamen Zeit im Kinderheim üble Schikane durch die Ordensschwestern, die das Heim leiteten, beide waren auch körperlicher Gewalt ausgesetzt.

Hartmut wird ganz in der faschistischen Tradition als schwachsinnig abgestempelt, weil er aufgrund von Trauma nicht spricht, nur Margret kommt an ihn heran und gewinnt sein Vertrauen. 

Durch den Erfolg des Kindersuchdiensts des Roten Kreuzes, kommt Margret bei einer Tante unter und muss Hardy im Heim zurücklassen, worunter beide die erste Zeit leiden Margret wächst in der Folge erstmal relativ behütet auf bis ihr Onkel beginnt sie regelmäßig  sexuell zu missbrauchen. Das Jugendamt und ihre Tante glauben ihr nicht. Sie kommt in ein Erziehungsheim, wo sie bis zum 21. Geburtstag bleiben muss. 

Hartmut kommt nach ein Paar Jahren und einem Vorfall, bei dem eine Ordensschwester stirbt in ein anderes Heim für geistig behinderte Menschen. dort ist er unter anderem Medikamententests ausgesetzt.

Der Zufall will es so, dass Margrit nach dem sie aus dem Erziehungsheim ausgezogen ist, zufällig in dem Heim für geistig behinderte Menschen als Hilfskraft zu arbeiten beginnt in dem Hardy untergebracht ist. (dieser Zufall ist die am schwächsten erzählte  Stelle im Buch.)  Nach einigen Monaten kommt Hardy auf die Krankenstation des Heimes, wo Margret arbeitet. Margret findet in der Folge heraus, dass in dem Heim Medikamentenversuche stattfinden. Nach einiger Zeit können sie gemeinsam aus dem Heim fliehen, und sie bauen sich ein gemeinsames Leben auf.

 Erst ist ihre Beziehung eher geschwisterlich, ändert sich aber hin zu einer Beziehung und die beiden heirateten und bekamen eine Tochter. Ihr Leben wird immer wieder von Flashbacks der sexuellen Übergriffe die Margret in der Jugend erleiden musste überschattet so wird auch die Geburt ihrer Tochter zu traumatischen Erlebnis aber auch Hardy leidet immer noch unter dem Verlust seiner Familie und den Ereignissen im Heim. Susanne Abel schafft es sehr gut, neben der individuellen Geschichte von Margret und Hardy ein Gesellschaftsportrait der Adenauer Ära zu zeichnen.                                                

Im zweiten Zeitstrahl ab 2005 (mit dem das Buch Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104 beginnt ) sind Hardy und Margret eben jene jungen Urgroßeltern weitere Protagonistinnen sind in diesem Zeitstrahl die Tochter von Hardy und Margret Sabine, die Enkelin von Hardy und Margret Julia und die Urenkelin von Hardy und Margret Emily. 

Die fünfjährige Emily wacht nachts bei einem Sturm auf und ihre Mutter ist nicht da, Emily läuft aus dem Haus und möchte zu ihren Urgroßeltern, wird aber von der Polizei und der Feuerwehr aufgegriffen und vom Jugendamt in Obhut genommen. Margrit und Hardy setzen sich dafür ein dass Emily zu ihnen kommt nach anfängliche Bedenken aufgrund ihres Alters stimmt das Jugendamt zu und so kommt Emily zu ihren Urgroßeltern und lebt bei ihnen, 

Ihre Mutter Julia kommt ersteinmal einige Zeit in die Psychiatrie. Als Leser*innen bekommen wir die angespannte Dynamik zwischen den drei Frauen Julia, Sabine und Margret. Die stabilste Bezugsperson für Emily ist ihr Urgroßvater Hardy. 

Julia und Sabine sind meistens mit sich selbst beschäftigt und machen sich gegenseitig Vorwürfe. Julia kämpft dafür, dass Emily zu ihr zurückkommt, ist aber mit ihrer Mutterrolle überfordert, nach einiger Zeit verbringt Emily die Wochenenden wieder bei ihrer Mutter zumindest wenn dieser nichts dazwischen kommt. Die kleine Emily leidet zunehmend darunter, nicht zu wissen, was es mit ihrem Vater auf sich hat, denn die Urgroßeltern wissen es nicht und ihre Mutter will nicht darüber sprechen. Hardy und Margret leiden beide auch noch nach Jahrzehnten immer wieder unter den Ereignissen ihrer Kindheit und Jugend. 

Eines Tages zieht Simin mit ihrem Vater in die Straße, wo Emily wohnt, Simin geht mit Emily in eine Klasse und sie werden beste Freundinnen. Simins Vater Dariush Zamani kommt aus dem Iran. Hardy und Dariush finden über ihre Kriegserlebnisse als Kinder eine sehr schön erzählte Vertrauensbasis.

 In  Emilys Schule kommt es zu einer Geiselnahme durch einen Mann, der sich an seiner Stieftochter rächen will, denn diese hatte ihn angezeigt wegen sexuellem Missbrauch, dieses Ereignis löst bei Margret die alten Traumata  die sie bei den eigenen sexuellen Missbrauchserfahrungen gemacht hat wieder aus und es geht ihr psychisch immer schlechter was sich massiv auf Emily auswirkt.

Aber auch das Verhältnis zwischen Emily und ihrer Mutter bleibt angespannt, weil sich diese an keines ihrer Versprechen hält und durch ihren Job als Flugbegleiterin auch oft nicht da ist.

Nach dem Tod Emilys Uroma Margret und als ihr Uropa Hardy wegen eines Herzinfarktes im Krankenhaus liegt und einen Brief vom Kinderheim bekommt in de er gelitten hat beginnt Emily sich schließlich, und mit Hilfe von Simin beginnt sie zu recherchieren wird es ihr damit gelingen die unverarbeiteten Traumata ihrer Familie aufzuarbeiten? Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104 ist ein gutes und wichtiges Buch zu den dunklen Seiten der Jugendhilfe in der frühen BRD. Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104 ist aber auch eine gut erzählte Familiengeschichte, die zeigt, wie sich Traumata über Generationen fortsetzen können, wenn sie nicht bearbeitet werden.Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104 ist eine Absolute Empfehlung.

https://www.deutschlandfunk.de/medizinskandal-kinderheime-medikamententests-pharmaindustrie-100.html

https://inklusion-statt-integration.de/behinderung/buechern-filmen-spielsachen/

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