„Botanik des Wahnsinns“ von Leon Engler – eine Rezension

Am 12. August 2025 erschien der Debütroman von Leon Engler „Botanik des Wahnsinns“. Das Buch beginnt damit, dass der Hauptprotagonist in einem Lagerraum sitzt, in dem vor sieben Jahren die Reste der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter eingelagert worden waren. Durch eine Verwechslung der Räume wurde damals alles von Wert in die Müllverbrennungsanlage gebracht, dem Erzähler bleibt wortwörtlich nur der Abfall der Familiengeschichte. Im weiteren Verlauf des Buches nimmt uns der Protagonist bei seinen Betrachtungen der Familienbiografie mit. In dieser, aus der Arbeiter*innenklasse stammenden, Familie häufen sich die psychischen Erkrankungen; die Großmutter war bipolar, zwölf Suizidversuche, der Großvater war “Stammkunde” in Steinhof, einer Psychiatrie in Wien, die Mutter war Alkoholikerin und der Vater war depressiv. Als Leser*innen erfahren wir immer wieder Details aus den verschiedenen Biographien und er nimmt uns mit in sein Leben. Seine Kindheit verbrachte er im Münchner Arbeiterviertel. Bei ihm entwickelte sich schon sehr frühe Angst, verrückt zu werden. Wir erfahren von seiner Flucht vor der Familie ins entfernte New York, seinen Jahre in Wien. Wir lernen seinen Nachbarn kennen, mit dem er tiefgründige Gespräche führt und dessen Gedanken, die dieser in Selbstgesprächen führt, er durch die Wände der Wohnung mit hört und zu seinen eigenen macht und aufschreibt. Und wir lernen die Frauen kennen, mit denen er Beziehungen führt. Über allem schwebt immer die Angst, verrückt zu werden. Als Leser*innen erfahren wir, dass er schließlich in der Anstalt landet, aber nicht als Patient, sondern als Psychologe. Wir erfahren auch einiges über die Systematik der Psychiatrie, die Kategorisierung von Diagnosen und über die Geschichte der Psychiatrie und ihren dunklen Seiten. Z.B. waren eugenische Theorien Teil der Psychiatrie. Wir erfahren etwas über die NS-Verbrechen in Wiens Psychiatrien und wie, könnte es anders sein, auch die Theorie Sigmund Freuds; aber auch die Theorien Foucaults sind Teil des Buches. Das Buch „Botanik des Wahnsinns“ ist eine Empfehlung.

https://de.wikipedia.org/wiki/Leon_Engler

 

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