”Niewiedervereinigung“: von Paula Fürstenberg eine Rezension

Am 3. September 2026  erschien Paula Fürstenbergs erstes Sachbuch mit dem Titel ”Niewiedervereinigung: 100 Zwischenrufe zur deutschen Einheit” darin beschreibt sie, warum die Vereinigung von Ost und West für sie nicht stattgefunden hat. Sie hebt die kontinuierliche rechte Gewalt in Ostdeutschland seit 1989/90 hervor und stellt sie den feierlichen Reden zur deutschen Einheit entgegen: Paula Fürstenberg beschreibt die Geschichte der sogenannten Wiedervereinigung zu Recht als eine Geschichte des Wiederaufstiegs des Faschismus. Geboren in Potsdam bezeichnet sich Paula Fürstenberg als Nachwendekind. Paula Fürstenberg schreibt, dass sie dieses Buch schreiben musste, um ihrer „politischen Depression“ ein Ventil zu geben. Der Titel des Buches Niewiedervereinigung ist das Ergebnis ihrer zwei Hauptthesen 

  1. Das „Nie wieder“ als Absage an Krieg und Faschismus ist als leeres Versprechen gescheitert, und eine „Vereinigung“ von BRD und DDR, die diesen Namen verdient, gibt es nicht.          

Der Aufstieg rechter Gewalt begann bereits in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1990, in der nicht nur gefeiert wurde, sondern in der auch mehr als 1.500 Neonazis in verschiedenen Städten Gewalttaten verübten, und setzt sich fort in den Pogromen von Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda die 90er Jahre werden im Osten werden im  Nachhinein zu den “Baseballschläger Jahren”. 

Paula Fürstenberg ist früh Teil der linken Szene und erzählt von einem Jugendfreund, der auf dem Nachhauseweg von mehreren erwachsenen Neonazis angegriffen und schwer verletzt wurde. 

Dem Staat wirft Paula Fürstenberg Versagen vor, er habe nichts oder nur sehr wenig getan, um diese Gewalt zu verhindern. Ob das Verhalten des Staates reines Versagen war oder absichtsvolles Handeln ließe sich, denke ich, diskutieren die Argumente dafür liefert Paula Fürstenberg selbst indem sie die Repression beschreibt die diejenigen erfuhren die aktiv Widerstand gegen rechte Strukturen geleistet haben.

Für mich eines der emotionalsten Kapitel in Niewiedervereinigung ist jenes wo Paula Fürstenberg sich bei der Antifa bedankt und schreibt, dass sie aus der zweiten Reihe der Demos gegen die Faschisten nur über Gewaltlosigkeit philosophieren konnte, weil vor ihr der militante schwarze Block stand.

Paula Fürstenberg stellt dem Aufstieg des Faschismus durch die sogenannte Wiedervereinigung sehr dezidiert den antifaschistischen Widerstand gegenüber.

Paula Fürstenberg beschreibt sehr präzise, wie hinter dem Willen zur Wiedervereinigung  die gefährliche Idee einer gesellschaftlichen Homogenität steckt. 

Durch Begriffe wie „Einheit“ oder „Wir sind ein Volk“ wird laut Paula Fürstenberg die Tür weit geöffnet für ein nationalistisches und völkisches Gedankengut. 

Die Deutschlandfahnen, die am 3. Oktober überall wehten, waren Ausdruck einer neuen Dimension von Nationalstolz, der gleichzeitig Ausschlussmechanismen erzeugte. Auf der einen Seite ein fiktives, einheitliches deutsches Volk und auf der anderen Seite all jene, die damit nicht gemeint waren: Vertragsarbeiter*innen aus der DDR, Gastarbeiter in der BRD, Obdachlose, Queers, behinderte Menschen und andere marginalisierte Gruppen. 

Dass die Angleichung der Lebensverhältnisse, die im Zuge der Vereinigung der beiden deutschen Staaten versprochen wurde, nicht erfolgt ist und nie ernsthaft angegangen wurde, kritisiert Paula Fürstenberg deutlich.

Noch heute sind die Löhne, Renten und Erbschaften im Osten signifikant niedriger. 

Die von Paula Fürstenberg in Niewidervereinigung geübte Kritik an einzelnen Begriffen, die für die Ereignisse von 89/90 verwendet werden, wie z.B. Wiedervereinigung, Einigung, Einheit, Anschluss oder Beitritt sind aus meiner Sicht mehr als reine Sprachkritik, diese Kritik bringt zum Ausdruck, wie wenig inklusiv diese Vorgänge waren.

Anmerkung 

Paula Fürstenberg spricht von einer politischen Depression aus der heraus sie dieses Buch geschrieben habe, ich verstehe sie so das die politischen Zustände bei ihr zu Depression geführt haben was ich sehr nachvollziehbar finde, in der Rezeption des Buches wird jetzt aber immer mal wieder gefragt was sich denn tun müsse das die Gesellschaft ihre Depression los werde so verstanden halte ich den Begriff der politischen Depression aber für problematisch denn die Gesellschaft ist kein biologischer Körper der eine Psyche haben kann, und die Gesellschaft oder den Staat zu einem solchen Körper zu machen wäre das Konstrukt eines Volkskörpers und dieses Konstrukt wäre ein  faschistische Züge das heißt wir müssen aufpassen dass wir  den Gedanken der politischen Depression so beschreiben wie er von Paula Fürstenberg gemeint ist.

Die Stärke des Buches liegt aus meiner Sicht vor allem in der Betrachtung der Zeit nach dem Beitritt der DDR zur BRD. Niewiedervereinigung ist eine große Empfehlung.

https://www.instagram.com/paula.fuerstenberg/?hl=de

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