Am 27. Februar 2026 ist das neue Buch von Rachid Benzine „Der Buchhändler von Gaza“ aus dem Französischen übersetzt von Andreas Jandl im Piper Verlag erschienen. Der Roman schildert die Situation vor dem 23.10.2023. Das Buch beginnt mit einem französischen Fotograf, der nach Gaza reist, um im Auftrag seiner Agentur Eindrücke zu sammeln. Er begegnet einem älteren Mann, von dessen Ausstrahlung er gleich fasziniert ist. Der Palästinenser lebt inmitten von Büchern, teils alten Taschenbuchausgaben aus aller Welt, die er zum Kauf anbietet. Als der Fotograf eine Aufnahme von dem Buchhändler machen möchte, stellt dieser eine Bedingung: Erst müsse sich der Journalist die Erzählung seines Lebens anhören, damit er sich ein vollständiges Bild machen könne. Dann beginnt der Buchhändler Nabil seine Geschichte zu erzählen, von der Vertreibung seiner Familie 1948 aus ihrem palästinensischen Dorf, über das Leben in den Flüchtlingslagern, er erzählt vom Sechs-Tage-Krieg 1967 und von weiteren Ereignissen eines jahrzehntelangen Lebens unter der Besatzung durch Israel. Nabils Vater war Christ, die Mutter Muslima. Er lehnte Gewalt immer ab, trotzdem wurde er nach einem Protest gegen israelische Soldaten zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Dort fand er zur Literatur. Das Buch ist zu Recht, wie ich finde, eine entschiedene Anklage gegen die Politik des israelischen Staates. Die relativ einfache und zugängliche Sprache des Romans führt nicht dazu die Situation unzulässig zu verkürzen, auch wenn auf knapp über hundert Seiten sicher nicht die komplette Komplexität der Situation der Palästinenser*innen geschildert werden kann. Besonders angenehm ist, dass deutlich wird, dass Jüd*innen nicht per se mit dem Staat und seiner Politik gleichgesetzt werden; im Gegenteil: immer wieder werden Jüd*innen erwähnt, die Seite an Seite mit Palästinenser*innen für Gerechtigkeit gekämpft haben, z.B. in der Palästinensischen Kommunistischen Partei oder der Israelischen Kommunistischen Partei. Die innere und äußere Distanz des Protagonisten des Buches zur Hamas ist auch spürbar und wird auch explizit erwähnt. Das Thema Behinderung findet durch die Thematisierung der Kriegsopfer der verschiedenen Kriege seine Erwähnung im Buch. Einziger kleiner Kritikpunkt ist die mir zu unreflektierte Erwähnung von Hochzeiten von weit über die Volljährigkeit herausgehenden alten Männern mit minderjährigen Mädchen. Das Buch „Der Buchhändler von Gaza“ ist eher ein Buch der leisen Töne und es ist eine absolute Empfehlung.
https://www.piper.de/autoren/rachid-benzine-6586
https://inklusion-statt-integration.de/ein-tag-im-leben-von-abed-salama-eine-rezension/