“Pina fällt aus” von Vera Zischka – eine Rezension

Am 26.03.2026 erschien das neue Buch von Vera Zischka “Pina fällt aus”. Protagonist*innen im Buch sind Pina, Leo, Inge, Zola und Woitek.

Pina ist die Mutter von Leo, einem 20-jährigen jungen Mann, den sie pflegt. Leo ist Autist. Leider wird Leo schon im Klappentext des Buches stigmatisiert und als merkwürdig charakterisiert. Leo hat und braucht einen klar strukturierten Alltag. Morgens verlässt er das Bett erst, wenn eine grüne Blase in seiner Lavalampe aufsteigt. In den ersten Kapiteln lernen wir Pina und Leo in ihrem Alltag kennen, leider wird Leo so, wie er beschrieben wird, als anstrengend und als große Belastung für Pina beschrieben. 

So wichtig die Perspektive von pflegenden Angehörigen ist, in diesem Abschnitt des Buches geht mir die Beschreibung zu sehr zu Lasten der behinderten Person, also Leo. Kritik an einem System, was behinderte Menschen und ihre Angehörigen im Stich lässt, wird stattdessen fast nicht geübt. Auch dass Leo Mangels eines inklusiven Arbeitsmarktes in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten muss, wird nicht kritisch eingeordnet, sondern als normal vorausgesetzt. 

Zu Leos geregelten Alltag gehört es auch, dass er, wenn Pina Dinge erledigen muss und Leo nicht mitnehmen kann, bei Inge, der 86-jährigen Nachbarin, Zeit verbringt. Inge ist zu Beginn des Buches des Lebens überdrüssig und kann die Wohnung nicht mehr alleine verlassen, Pina kaufte für sie immer mit ein in den letzten Jahren. Als Pina eines Tages nicht vom Einkaufen zurückkommt, weil sie auf einer Straßenkreuzung mit Magendurchbruch zusammengebrochen ist und ins Krankenhaus muss, ist Leo auch gerade bei Inge. Pina hatte seit Monaten ignoriert, dass sie starke Schmerzen hat. Statt zum Arzt zu gehen, nahm sie Tabletten.  

 Inge erfährt erst von der Polizei, was mit Pina passiert ist. Inge hat danach nur einen Gedanken: Wer kümmert sich jetzt um Leo? Ihr Nachbar Woitek, der sich über den Lärm beschweren will, den Leo bei Inge in der Wohnung macht, nachdem er in einen Meltdown abgerutscht ist, ist Inge keine große Hilfe.    

Die sechzehnjährige Tochter des Vermieters von Pina und Leo, die im selben Haus wohnt und sich immer immer über den Lärm des Buses beschwert, der Leo in die Werkstatt fährt, wenn er sie nach durchzockter Nacht viel zu früh weckt (das erfahren wir schon, als Pina noch da ist) will anfänglich auch nichts mit Leo zu tun haben, nimmt sich dann aber doch seiner an.

Am nächsten Tag fährt ihr Vater sie aber erst einmal zu ihrer Ausbildungsstelle, wo sie seit Wochen nicht mehr war; auch Leo wird von ihrem Vater erstmal in die Werkstatt gefahren. 

Nach einiger Zeit soll Woitek mit Leo, so will es Inge, ins Krankenhaus, zu Leos Mutter Pina. Der Ausflug scheitert an der Busfahrt, beide werden des Busses verwiesen, nachdem Leo sich in die Fahrerkabine setzt und sich weigert, diese wieder zu verlassen.

 Auch Zola geht ins Krankenhaus und ist erstaunt, als sie erfährt, dass noch niemand bei Pina zu Besuch war, denn Woitek und Leo sollten gerade jetzt da sein und Woitek sollte eigentlich schon ein paar mal da gewesen sein.

 Auf seinem Ausflug mit Leo beginnt Woitek zu hinterfragen, wie die Gesellschaft auf Leo reagiert. Als Zola Woitek zur Rede stellt, läuft Leo aus der Wohnung. Woitek und Zola suchen ihn. Plötzlich taucht Leo mit einem Fremden wieder auf, Inge verlässt ihre Wohnung, um ihn in Empfang zu nehmen, sie ist selbst überrascht, dass sie das noch kann, Treppen steigen z.B. Der Unbekannte ist Leos Opa Bernd Luxen.

Nach dem kurzeitigen Verschwinden Leos sitzen Inge, Zola, Woitek, Zolas Vater, Bernd Luxen und Leo in Inges Wohnung am Tisch, um zu überlegen, wie es mit Leo weiter geht. Zolas Vater schlägt vor, er könne sich um einen Heimplatz kümmern. Alle anderen sind sich einig, Leo bleibt hier und so wird nach einigen Wochen, nachdem die Nachbarn erst einmal ihre Schockstarre überwunden haben, aus der ungewöhnlichen Hausgemeinschaft mit all ihren Eigenheiten ein gutes Assistenzteam für Leo. 

Leos Opa entscheidet sich dann doch dafür, dass Leo ins Heim soll, Zolas Vater lässt seine Beziehungen spielen. Als er verkündet, Leo könne sich ein Zimmer anschauen, erleidet Inge einen Schwächeanfall. Es kommt zu einer Zimmer Besichtigung

Zola und Inge versuchen Leo den Traum vom Busfahrer zu ermöglichen und nach einigem Hin und Her klappt es irgendwie auch. Über das Buch verteilt gibt es ab dem Zeitpunkt, an dem Pina ins Krankenhaus kommt, immer wieder Kapitel, die auf der Intensivstation spielen, auf der Pina liegt. Als Pina aufwacht, will sie sofort nach Hause, weil sie nicht glauben will und kann, dass es Leo bei Inge, Zola und Woitek gut geht. Pina will so schnell wie möglich heim zu ihrem Sohn. Als ihr Vater ihr eröffnet, dass er überlegt, dass es gut wäre, wenn Leo ins Heim ginge, blockt Pina zum Glück ab. Wie es mit dem Traum vom Busfahrer sein weitergeht und ob Leo in die Wohngruppe ziehen muss oder nicht, erfahrt ihr, wenn ihr das Buch “Pina fällt aus” kauft und lest. Ein paar kritische Anerkennung. Das Buch “Pina fällt aus” hat es mir nicht leicht gemacht es zu mögen. Wie oben schon erwähnt, ist mir die Darstellung Leos im ersten Viertel des Buches zu negativ, außerdem vermittelt es über weite Strecken den Eindruck, dass Leo eher die Funktion hat bei Inge, Zola und Woitek für neuen Lebenssinn zu sorgen, anstatt ihn als Person sich entwickeln zu lassen. Leider wird Leo auch sehr oft verkindlicht. Bis das Buch also zu einer Geschichte wird, die die Selbstbestimmung behinderter Menschen einfordert, dauert es eine Weile. Bis dorthin durchzuhalten hat sich aber gelohnt. „Pina fällt aus“ bekommt von mir eine Empfehlung.

https://www.schreiberlogik.de/

https://inklusion-statt-integration.de/behinderung/buechern-filmen-spielsachen/

 

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