Devotees, Amelos und behinderte Menschen als Verbündete

Devotees, Amelos, also Menschen ohne Beeinträchtigung, die Menschen mit Beeinträchtigung sexuell präferieren, gibt es schon immer und wird es immer geben. 

Das normativ geprägte Schönheitsideal von heute, in dem der behinderte Körper eher abgewertet wird, hat meiner Ansicht nach viel mit dem im Kapitalismus vorherrschenden Ausbeutungsverhältnis zu tun; denn der Kapitalismus braucht die fitten, gesunden nicht-beeinträchtigten Arbeiter*innen, denn nur deren Arbeitskraft ist optimal ausbeutbar.                                                                                                           

Der Unterschied zwischen Devotees und Amelos besteht darin, dass Devotees eher auf Menschen mit Lähmungen fokussiert sind, Amelos stehen eher auf Menschen mit fehlenden oder amputierten Gliedmaßen.

Der normative Umgang der Gesellschaft mit Sexualität und Behinderung, der dazu führt, dass behinderte Körper als weniger attraktiv gelten, führt bei behinderten Menschen oft zu einem negativen Selbstbild.

Ich selbst bin seit meiner Geburt behindert; obwohl ich es also nicht anders kenne, habe ich zu meinem Körper kein völlig selbstverständliches und entspanntes Verhältnis. Ich akzeptiere ihn; ja, an sehr guten Tagen kann es auch sein, dass ich ihn sogar mag.

Manche behinderte Menschen haben größere Schwierigkeiten, ihren Körper zu akzeptieren, anderen fällt es leichter; und entsprechend locker oder problematisch ist dann auch ihr Umgang mit Erotik und Sexualität. So geht es mir z.B. so, dass es für mich schwer vorstellbar ist, dass ich überhaupt als attraktiv wahrgenommen werde. Ultra schwer bis unmöglich fällt es mir vorzustellen, dass ich gerade wegen meiner Beeinträchtigung attraktiv sein könnte. Nun begegnet ein behinderter Mensch wie ich einem/einer Devotee oder einer/einem Amelo, also einer Person, die sich gerade von diesen behinderten Körpern angezogen fühlt, also einen behinderten Menschen nicht trotz des behinderten Körpers attraktiv findet, sondern wegen der Behinderung. Die Behinderung stellt das dar, was sonst die Ausstrahlung, der kleine oder große Hintern, die kleine oder große Brust, oder was sonst so an Körpermerkmalen den Ausschlag gibt. Durch das schlechte Selbstbild entsteht bei vielen behinderten Menschen erst einmal innere Ablehnung; zu den oben genannten ewigen Fragen entstehen weitere Fragen.

Kann es das denn geben? 

Darf es das geben? 

Sollte es in Bezug auf Behinderte möglich sein, dass erst der äußere Trieb da ist, und daraus sich Liebe entwickelt? 

Wo man doch bestenfalls noch das Umgekehrte für möglich hält: dass die Liebe den Weg bereitet für die Sexualität mit einem behinderten Menschen.

Die Widerwärtigkeit von übergriffigem Verhalten kennen auch nicht-behinderte Menschen,  behinderte Menschen sind davon überproportional betroffen sowohl von Nicht-Devotees/Amelos, als eben auch durch diese. Das kann Behinderten dann genauso unangenehm sein, wie Übergriffigkeiten jedem Menschen auch unangenehm sind. Im übrigen können auch behinderte Menschen übergriffig sein. 

Lasst uns  als behinderte Menschen, Devotees und Amelos als einen Baustein der sexuellen Vielfalt zu akzeptieren. und stecken wir unsere Kraft nicht lieber in den Kampf für die Normalisierung behinderter Körper im Bereich der Sexualität.

Ein weiterer Punkt, durch den die Ablehnung von Amelos und Devotees unter behinderten Menschen ausgelöst wird, sind eigene Erlebnisse oder solche, die mensch erzählt bekommt, mit leider nicht immer auf Konsens ausgerichtete Verhaltensweisen einiger (meist männlicher) Amelos oder Devotees an Orten, die von behinderten Menschen viel frequentiert werden, z.b. Reha-Messen und Inklusionsbetriebe, wie z.b. Cafes, in denen vermehrt behinderte Menschen arbeiten.

Die Aufgabe der Devotee- und Amelo-Community ist es, zu reflektieren, welche Orte von behinderten Menschen freiwillig aufgesucht werden und wo sie unfreiwillig und in geballter Anzahl auftauchen, aufgrund separierender Strukturen (Arbeitswelt) und dafür zu sorgen, dass übergriffiges Verhalten (ungefragt Bilder machen auf Reha-Messen um diese in Foren herumreichen zu können) laut geächtet wird. 

Für uns behinderte Menschen gilt es nicht, jedes einzelne Arschloch, das zufällig Amelo oder Devotee ist, auf die ganze Gruppe zu projizieren.

1 Gedanke zu „Devotees, Amelos und behinderte Menschen als Verbündete“

  1. Die Amputation eines Körperteils (aus welchen Gründen auch immer) , der Umstand auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein (aus welchen Gründen auch immer) , bedeutet Leid. Wenn Menschen das Leid eines anderen als attraktiv empfinden ist das keine „Change“ für den behinderten Menschen sondern eine kranke „Neigung“, die die Würde des behinderten Menschen verletzt.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar