„Unüberhörbar: Gehörlos, weiblich, unbequem“ von Katrin Aimee

Am 2. März 2026 erschien das Buch „Unüberhörbar: Gehörlos, weiblich, unbequem“ von Katrin Aimee beim Grau Verlag. Katrin Aimee ist Psychologin. Sie verarbeitet in dem Buch ihre eigene Lebensrealität als gehörlose Frau sie zeigt wie strukturelle Diskriminierung und Ausgrenzung funktionieren.

Im Vorwort zum Buch beschreibt Katrin Aimee eine diskriminierende Szene aus ihrer Zeit  an der Uni. Bei einer Prüfung wurde nicht auf ihre Barrierefreiheits-Anforderungen eingegangen, sie bekam eine 1,0, aber der Professor gab ihr mit auf den Weg, sie hätte diese eigentlich nicht verdient.

Im Kapitel Fordern geht Katrin darauf ein, wie unsere Gesellschaft Ein- und Ausschlüsse produziert und wie es sich mit privilegiert und nicht privilegiert sein verhält und wie beide Positionen in den meisten Menschen vorhanden sind. Eine spannender Hinweis ist auch wie die Autorin Wut als etwas gutes und befreiendes beschreibt, für sich als behinderte Frau. 

Die Macht von Worten ist essentiell, so die Autorin weiter, sie beschreibt die Wirkung des Wortes überqueren anstatt gehen, dieses Wort war der Schlüssel zur Regelschule. Auch das Wort Arschloch hat eine besondere Bedeutung im Leben der Autorin, es war das erste Wort, das ihr nicht beigebracht wurde, sondern das erste, welches sie im Alltag einfach aufgeschnappt und in ihren Wortschatz integriert hat. 

Auch auf die Bedeutung der Worte, Anpassung und Widerstand für das eigene Leben geht sie ein und zu guter Letzt erklärt sie in diesem Kapitel sehr gut und deutlich, was der Unterschied zwischen Inklusion und Integration ist und beschreibt, warum unsere Gesellschaft maximal integrativ ist oft aber sogar nur exkludierend.

 Im Kapitel Herkunft beschreibt die Autorin ihr Verhältnis zu ihrer Mutter und dabei auch ihre Dankbarkeit für deren Einsatz, als sie noch zu klein war, um für sich selbst einzustehen oder notwendige Dinge zu organisieren.

Im Kapitel Kindheit beschreibt Katrin Aimee wie sie mit 13 Jahren in der Schule, als sie  ihre Lehrerin bittet, sich ein Mikrofon anzustecken, damit sie sie trotz ihrer starken Schwerhörigkeit verstehen kann, von dieser Lehrerin barsch zurückgewiesen wird und der Folge beschämt verstummt in der Schule. Denn sie hat längst verinnerlicht, dass sie als behinderte Frau zwar existieren darf, aber bitte keine Umstände machen soll. In diesem Kapitel wird auch deutlich, wie Katrin Aimee die Grenzen eines Regelschulsystems kritisiert, das nicht gewillt ist inklusiv zu arbeiten, aber auch wie richtig die Entscheidung ihrer Eltern trotzdem war, sie nicht auf die Förderschule zu schicken. (ich bevorzuge den Begriff Sonderschule) 

Es folgen noch Kapitel zu Freundschaften, Strukturen, Studium, Beziehungen, Arbeit, Sichtbarkeit, Solidarität, Selbstermächtigung und Widerstand  

Die Autorin arbeitet in “Unüberhörbar” schonungslos ihre Scham besetzten Erfahrungen auf. Die große Stärke von Unüberhörnar ist der analytische Blick mit  dem Katrin Aimee aufzeigt wie strukturelle Diskriminierung die Gesellschaft durchzieht, bemerkens Wert dabei vor allem wie sie sich dabei selbst nicht ausnimmt und dabei soweit geht ihre Entscheidung als nicht gebärdende taube Frau sich für ein Cochlea Implantat zu entscheiden als internalisierten Audismus (die Diskriminierung tauber Menschen) und internalisierten Ableismus zu bezeichnen. Katrin Aimees Intersektionale Perspektive  ist ein weiterer Pluspunkt. Unüberhörbar ist es ein Manifest gegen Ableismus für intersektionalen Feminismus, Selbstermächtigung und ein Must Read.

https://www.instagram.com/katrin.aimee/?hl=de

https://inklusion-statt-integration.de/klartext-roman-von-sara-novic-eine-rezension/

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