2024 ist im Verlag Urachhaus das Jugendbuch Der Duft von Grün der Autorin Pamela Sharon erschienen. Der Verlag gibt als Altersangabe ab 14 Jahren an. Das Buch hat 236 Seiten. Der Verlag schreibt am Anfang des Klappentextes “Raven ist ein ganz normales 16-jähriges Mädchen, das Geschichten liebt und von der Liebe träumt. Das Einzige, was sie von den meisten Teenagern unterscheidet: Raven ist blind.” …..Der Verlag betreibt hier unnötigerweise othering, der Anfang des Klappentext hätte auch lauten können Raven ist ein 16 Jähriges blindes Mädchen, das Geschichten liebt und von der Liebe träumt…..Der Titel “Der Duft von Grün” klingt nach Klischee nach dem Motto blinde Menschen können besser riechen und wegen der Frage welche Bedeutung Farben für blinde Menschen haben, bis auf den Fakt das jedes Kapitel als Überschrift die Zahl des Kapitels und eine Farbe hat, was ich etwas lästig fand wird das Thema Farben sehr nachvollziehbar in die Handlung eingebaut. Die Schriftart der Zahl des Kapitels ist suboptimal in punkto Barrierefreiheit. Die Geschichte ist in den Niederlanden verortet. Im ersten Teil des Buches geht es vor allem um eine Teenager Freundschaft zwischen Raven und ihrer Freundin May-Lin mit allen Höhen und Tiefen May-Lin stirbt Ende des ersten Teils. Neben der Tatsache, dass Raven den Tod von May-Lin verarbeiten muss, muss Raven auch für sich neue Wege finden, mit Schwierigkeiten im Alltag klar zukommen, denn außerhalb von Zuhauses und der Schule war May-Lin zu einer freiwilligen Assistenz geworden.
Im zweiten Teil erfahren wir, dass Raven erst auf einer Schule für Sehbehinderte und Blinde war und dann an die Regelschule kam und dort lernte sie May-Lin kennen. Im zweiten Teil lernt Raven ihre erste große Liebe wirklich kennen, es gab vorher schon zwei kleinere Begegnungen diese große Liebe eröffnet ihr weitere Schritte der Selbständigkeit bis hin zu einem London Aufenthalt. Der Vater ihrer großen Liebe hat schwere Depressionen, was die Beziehung kompliziert macht. Am Ende des zweiten Teils erfahren wir das der Vater ihrer großen Liebe derjenige ist der May-Lin angefahren hat was zum vorläufigen Ende führt.
Im Laufe des dritten Teils des Buches kommt Raven mit ihrer großen Liebe wieder zusammen nach dem sie bei dem ersten Versuch der Aussprache vor ein Auto läuft und ins Krankenhaus muss. Sie spricht sich auch mit dem Vater ihrer großen Liebe aus.
Jetzt noch ein paar Anmerkungen
Die Inklusion in die Schule verläuft für deutsche Verhältnisse fast utopisch gut.
Dass die Mutter als überfürsorglich beschrieben wird und der Vater, bei dem sie nach der Trennung der Eltern nur selten lebt, als entspannt ist leicht ärgerlich.
Das ausgerechnet ihre beste Freundin und somit die einzige nicht weiße Person sterben muss ist ebenso ärgerlich.
Richtig über konstruiert ist es dass der Vater ihrer Liebe sich als Verursacher Von May-Lins Tod herausstellt.
Das sie dann auch noch vor ein Auto läuft bevor sie sich mit ihrer großen Liebe aussprechen kann bringt für mich das Fass zum überlaufen.
Ärgerlich ist auch dass das Braille Alphabet das hinten im Buch abgedruckt ist nur für sehende Leser*innen zugänglich ist.
Ich kann, trotz guter Ansätze keine Empfehlung für Der Duft von Grün aussprechen.
Es heißt „othering“. Die Mutter ist „überfürsorglich“, und die beste Freundin war nicht „nicht weise“, sondern nicht weiß. Außerdem würde mich jetzt mal interessieren, woran du siehst, wer weiß war? Vielleicht waren ja erwähnte Mitschüler oder der Exfreund von May-Lin zB schwarz? Hätte man das hin schreiben müssen? Nein, dann wäre es wieder ein „othering“ gewesen.
Als „überkonstruiert“ empfinde ich besagte Stellen übrigens auch, vor Allem, dass gleich nach dem Tod der besten Freundin ein extrem gut passender Freund kommt. Das ist leider ein oft genutzter Kunst(?)griff speziell in Jugendbüchern.
Danke Ariane für deinen Kommentar
und deine wichtigen Hinweise ich hab sie geändert soweit es um peinliche Fehler geht
Warum ich zu der Aussage komme das die beste Freundin die einzige nicht weiße Person ist ist meine Leseerfahrung dass nicht weiße Protagonist*innen bei weißen Autor*innen meist kenntlich gemacht werden meine Aussage kann in soweit auch eine Unterstellung in Richtung der Autorin sein Schwarz wird in diesem Kontext groß geschrieben weil es nicht in erster Linie um die Hautfarbe ginge sondern um eine politische Selbstbezeichnung