Tod der Autorin von Nnedi Okorafor- eine Rezension

     

 Am 2. Januar 2026 ist „Tod der Autorin“ von Nnedi Okorafor bei Ullstein auf deutsch erschienen. Die Hauptprotagonistin ist Zelu, eine seit einem Unfall querschnittsgelähmte, Schwarze, nigerianisch-amerikanische Autorin. Das Buch beginnt mit einem Interview von einer der Schwestern von Zelu, wobei aus meiner Sicht Zelu eher schlecht wegkommt. In die Handlung des Buches „Tod der Autorin“ werden noch weitere Interviews mit Menschen aus Zelus Umfeld eingewoben, über das ganze Buch hinweg verteilt.

 Im zweiten Kapitel nimmt uns die Erzählerin auf die Hochzeit einer der Schwestern von Zelu mit. Die Hochzeit findet in Trinidad und Tobago statt. Zelu hält nichts vom Heiraten und wandelt eher so durch die Szenerie, als wirklich Teil von ihr zu sein. Zelu erfährt auf der Hochzeit Ableismus durch einen Onkel, durch einen Spruch, in dem er Zelus Chancen auf eine eigene Hochzeit in Verbindung setzt mit ihrer Situation als behinderte Frau. Während der Vorbereitungen für die Hochzeit, erfährt sie durch einen Anruf auch noch, dass sie ihren Job als Literatur-Dozentin für kreatives Schreiben an der Universität verloren hat, weil sie einen literarischen Versuch eines verwöhnten weißen Studenten zu harsch kritisiert hat und damit das gesamte Seminar gegen sich aufgebracht hat. Und dann wird auch noch ihr Roman zum zehnten Mal abgelehnt. Sie hat auf der Hochzeit ihrer Schwester mit Msizi, einem Cousin ihres zukünftigen Schwagers, Sex. Am Abend der Hochzeit beginnt sie noch in ihrem Hotelzimmer ein neues Buch zu schreiben, eigentlich nur für sich selbst. Das Buch „Rusted Robots“ handelt von einer fernen Zukunft, in der androide Roboter und körperlose KIs den Planeten bewohnen. Von diesem Buch werden immer wieder Abschnitte in das Buch „Tod der Autorin“ eingewoben. 

Ein paar Wochen nach der Hochzeit zieht Zelu wieder bei ihren Eltern ein, sie ist arbeitslos und verzweifelt. Als Msizi das Manuskript, nachdem es nach rund zwei Jahren fertig ist, begeistert gelesen hat, reicht Zelu es doch bei ihrem Agenten ein und „Rusted Robots“ wird überraschend zum Millionen Dollar schweren Bestseller. Dadurch verändert sich Zelus Leben schlagartig. Zelu genoss das alles in vollen Zügen. “So fühlte es sich also an, endlich gesehen zu werden.“ “Ihr ganzes Leben lang hatte sie versucht, sich einen Namen zu machen.“ “Jetzt hatte sie sich geäußert, und Unzählige haben ihr zugehört”. Schlechte Rezensionen, die auch beim größten Erfolg nicht ausbleiben, trafen Zelu sehr hart und sie zweifelte sehr schnell an sich.  

Einige Zeit, nachdem ihr Buch erschienen war und ein riesen Erfolg wurde, bekam Zelu das Angebot eines Forschers vom MIT, sie in seine Studie zu Exoskeletten einzubeziehen. Nach kurzem Zweifeln traf Zelu den Entwickler der Exoskelette zum Essen. Themen, die bei diesem Gespräch zur Sprache kamen, waren, dass bei der Forschung auch das Militär mitmischt und dass eine zivile Massennutzung noch sehr lange dauern würde. Der Entwickler, mit dem sich Zelu traf, hatte selbst Beinprothesen und betonte, dass es sich bei den Exoskeletten nicht um Heilung, sondern um ein Hilfsmittel handele. Diese Aussage ist aus meiner Sicht eine sehr relevante und hätte noch mehr Raum einnehmen dürfen, auch dass die militärische Verwendung nur angedeutet wird, ist sehr schade. Als Zelu ihrer Familie von der Studie erzählt, ist ihre Familie sehr skeptisch und lehnt Zelus Teilnahme ab. Zelu  vertraute vor allem auf ihren  Vater als ihren Unterstützer, er war der Abenteuerlustige aus ihrer Familie, aber auch er machte mit folgenden Messages seine Skepsis deutlich: „Eine faszinierende Vorstellung!”, sagte er und fasste sich ans Kinn. „Sicher, dass es ungefährlich ist, Zelu?“ „Es klingt echt cool, Zelu, aber es hört sich auch so an, als würdest du deinen Körper für Experimente hergeben”. “Ich habe zu viel über westliche Medizin gehört, bei der Versuche an Afrikanern durchgeführt wurden” Leider wurde dann nicht über den Missbrauch Schwarzer Menschen zu medizinischen Zwecken diskutiert, sondern es endete in einer paternalistischen ‚wir wollen dich doch nur beschützen‘-Diskussion, die ich nicht mehr lesen will in Büchern mit behinderten Protagonist*innen. Zwischen dem Angebot des MIT und dem Treffen zwischen Zelu und dem Entwickler der Exoskelette ist im Buch noch ein Kapitel eingefügt, in dem es um den Sturz vom Baum, also die Ursache für die Querschnittslähmung bei Zelu ging. Warum das an dieser Stelle stattfand und nicht am Anfang des Buches, erschließt sich mir nicht. Zelu geht ans MIT und lernt dort den Umgang mit dem Exoskelett. Als die ganze Welt erfährt, dass Zelu ein Exoskelett nutzt, steigert dies das Interesse der Öffentlichkeit massiv. Das Verhältnis zu ihren Eltern und Geschwistern kühlt ab, weil diese sich aus unerfindlichen  Gründen verraten fühlen. Sie kauft sich eine Wohnung und zieht bei ihren Eltern wieder aus und Msizi zieht bei ihr ein. In den folgenden Jahren kommt ein Film zu Zelus Buch in die Kinos, an dem die Macher*innen zum Originalstoff einiges geändert hatten, was Zelu massiv verärgerte. Nach einem Interview, in dem eine Journalistin sie fragte, warum sie mit den Exoskeletten ihre Beeinträchtigung kaschiert und ihre Existenz als behinderte Frau nicht akzeptiere, brach eine Welle des Hasses über Zelu hinweg. Ein Jahr nach der Veröffentlichung des Films bekommt Zelu vom reichsten Mann der Welt ein Angebot, mit ins All zu fliegen. Dieser Vorschlag berührt Zelu, denn als Kind, vor dem Sturz vom Baum, war ihr Traum Astronautin zu werden, den sie dann aufgegeben hatte. Bevor sie über das Angebot nachdenken konnte, bekam sie die Nachricht, dass ihr Vater einen Herzinfarkt hatte und im Sterben liegt. Es folgen Kapitel rund um den Tod des Vaters und den Konflikten, die sich daraus ergaben. Ihr Vater wurde in Nigeria begraben. Zwei Jahre später kann Zelu endlich sein Grab besuchen. Wenn ihr mehr wissen wollt was in Nigeria passiert oder wie es sonst mit Zelu weitergeht, müsst ihr das Buch kaufen und lesen.

Fazit: Die Kapitel mit den Interviews ihres Umfelds hätte ich überhaupt nicht gebraucht, sie bringen aus meiner Sicht die Handlung nicht weiter und den Roman im Roman hätte ich lieber am Ende am Stück gelesen als eine Art Leseprobe. Alles in Allem reißt das Buch viele Themen an, erzählt sie aber nicht zu Ende. Das Buch konnte mich nicht ganz überzeugen.

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