“Pizza Orlando” von Clara Umbach – eine Rezension

CN Suizidgedanken


Am 27.1.2025 ist Pizza Orlando von Clara Umbach bei Ecco erschienen. Die zwei Hauptprotagonist*innen sind Clara und Nina, Clara ist alleinerziehende Mutter und Nina hat die Huntington-Krankheit. Clara und Nina kennen sich seit ihren Jugendtagen. Als sie sich nach vielen Jahren als erwachsene Frauen wieder begegnen, verlieben sie sich und stürzen sich in eine leidenschaftliche Liebesbeziehung. Diese Beziehung findet die meiste Zeit über Nachrichtenaustausch statt, denn die eine wohnt in Berlin und die andere in Hamburg und sie sehen sich dadurch nicht täglich. Trotz der Distanz entsteht eine intensive Nähe. In den Chat-Nachrichten geht es um Begehren und Verletzlichkeit. Neben Leidenschaft geht es auch viel um Ninas Erkrankung und der beschränkten Zeit der beiden und auch um Ninas Gedanken an Suizid. Clara kämpft neben dem Wunsch, eine Perspektive mit Nina zu haben, in ihrem Alltag als alleinerziehende Mutter um Selbstbestimmung zwischen Kinderpflege, Studium und Lohnarbeit. Und dann ist da noch ihre Liebe zu Nina, das alles überfordert Clara und sie beendet die Liebesbeziehung zu Nina. Diese rutscht dadurch in ein toxisches Verhalten zwischen Sex und Alkohol. Nach rund zwei Monaten beginnen sich die beiden wieder zu schreiben. Wer wissen will, wie es weitergeht mit Nina und Clara, muss das Buch lesen…

Das Buch Orlando Pizza ist mehrheitlich aus der Perspektive von Clara geschrieben, es besteht hauptsächlich aus eben jenen Textnachrichten. Zwischendrin gibt es immer wieder Texte von Clara in Vergangenheitsform geschrieben, die Momente der Beziehung festhalten und so wird den Leser*innen klar, dass auch die Textnachrichten ein Produkt der Vergangenheit und ihr Einbetten in die anekdotisch reflexiven Texte von Clara eine Form des Erinnerns sind. Es gibt aber auch ein paar Listen, die aus der Perspektive von Nina verfasst sind, so z.B. am Anfang, bevor die Handlung beginnt, eine Liste mit den Nebenwirkungen eines Medikaments oder am Schluss eine mit verworfenen Titeln zu diesem Buch, wobei mein Favorit „Liebe in Zeiten von Huntington“ ist und ich es ernsthaft schade finde, dass es nicht der Titel wurde, sondern der mühsam herbei konstruierte „Orlando Pizza“.

Mir fehlt ein bisschen der Alltag von Nina, um den starken Wunsch nach Suizid greifen zu können, so besteht die Gefahr, dass sich bei nichtbehinderten Menschen das Vorurteil verfestigt, dass ein Leben mit Beeinträchtigung nicht lebenswert ist. Das Buch „Orlando Pizza“ ist eine Empfehlung.

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https://claraumbach.net/

                 

 

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