Kurzbiographien in 8 empowernden Büchern für Kinder eine Rezension

8 Bücher, mit Kurzbiographien von mehr oder weniger bekannten Menschen besprochen.Diese Bücher sind für Kinder ab 8 Jahren geeignet. Die Bücher sollen ihre Leser*innen empowern und die porträtierten Menschen können nach Ansicht der jeweiligen Autor*in als Vorbilder dienen.
Bereits 2017 erschien im Hanser Verlag der 1. Band von „Good Night Stories for Rebel Girls“ von den Autorinnen Elena Favilli und Francesca Cavallo auf Deutsch. In diesem Buch werden 100 außergewöhnliche Frauen durch Kurzbiographien vorgestellt. Zu jeder Kurzbiographie gibt es eine ausgezeichnete Illustration, welche von 60 Künstler*innen gestaltet wurde. Die Autorin möchte mit dem breiten Spektrum an Frauen vor allem Mädchen Vorbilder anbieten. Den porträtierten Frauen ist gemeinsam, dass sie etwas für die Gesellschaft geleistet haben oder immer noch leisten. Unnötigerweise werden in einigen Kurzbiographien Schönheitsnormen reproduziert, wenn es beispielsweise in der Kurzbiographie von „Amna Al Haddad z.B heißt „Amna war übergewichtig, unsportlich und unglücklich“. Und als weiteres Beispiel über Artemisia Gentileschie bekommen wir die Information über ihre Schönheit bevor wir ihren Namen erfahren haben. Immerhin erfahren wir vorher das sie Malerin war. Bei den Kurzbiographien der behinderten Frauen, die sich im Buch befinden entstand für mich der Eindruck, als wären ihre Beeinträchtigungen problematisch und dass sie  dafür gelobt werden müssen, dass sie es trotzdem geschafft haben. Bei Ashley Fiolsek, einer tauben Motorcrossfahrerin, wird zudem Gebärdensprache zur Zeichensprache degradiert, meines Dafürhaltens ein Unding. Schade ist auch, dass es nur eine nicht cis Frau in das Buch geschafft hat.Bei einigen der porträtierten Politikerinnen, habe ich große Zweifel, ob sie wirklich als Vorbilder dienen können z.B. Angela Merkel und Margaret Thatcher. Meiner Meinung nach wäre es sinnvoll gewesen, schon aus dem 1. Band zwei Bände zu machen, oder die Seitenzahl hätte erhöht werden sollen. Denn eine Seite pro Kurzbiographie ist zu kurz und diese bleiben deshalb sehr oberflächlich. 2018 erschien dann der zweite Band von „Good Night Stories for Rebel Girls“ von Elena Favilli und Francesca Cavallo ebenfalls bei Hanser. Er enthält weitere hundert Kurzbiographien von beeindruckenden Frauen. „Good Night Stories for Rebel Girls 2 enthält wieder wunderschöne Illustrationen von diesmal 50 Künstler*innen. Auch in 2. Band ist jede Kurzbiographie erneut nur eine Textseite lang. Dass in Band 2. keine Transfrau aufgenommen wurde, ist mir negativ aufgefallen. Vor allem weil mit J.K Rowling eine Person aufgenommen wurde, die mir nach 2018 mehrmals mit Transfeindlichkeit in der Öffentlichkeit aufgefallen ist. Die Kritik aus Band 1. zu den Kurzbiographien der behinderten Frauen bleibt bestehen, da die Art der Beschreibung nicht verändert wurde. Im September 2020 erschien der 3. Band der Good Night Sories for Rebel Girls dieser Band hat den Untertitel 100 Migrantinnen die die Welt verändern. Ich verstehe das Anliegen, für die Situation von Migrantinnen sensibilisieren zu wollen. Aber für mich hat dieser Untertitel nicht die Wirkung eines Safe space sondern eher einer Sondereinrichtung, also nicht gerade empowernd. Der Aufbau des dritten Buches ist wie in Band 1 und 2. Die Kurzbiographien sind in ihrer Gesamtheit meinem Eindruck nach etwas aussagekräftiger geschrieben als bei Band 1. und 2. Es gibt in diesem Band Kurzbiographien von behinderten Frauen diese sind relativ Stereotypenfrei geschrieben. Es gibt leider erneut keine Kurzbiographien vonTransfrauen. Die Kurzbiographie von Angelica Rozeanu sollte bei einer 2. Auflage nochmal auf Sinnhaftigkeit überprüft und überarbeitet werden, es müssen Sätze umgestellt werden damit sie sinnhaft werden. Es sind diesmal sehr schöne Illustrationen von 70 Illustratorinnen. Wobei bei Malerinnen auch von ihnen selbs gemalte Selbstporträts gut passen würden.
Im Loewe Verlag erschien 2018 „Stories for Boys Who Dare to be Different – Vom Mut, anders zu sein“ – 100 Jungs, die die Welt verändert haben! Von Ben Brooks 2019 erschien dazu der 2. Band. Beide Bände sind gestaltet wie „Good Night Stories for Rebel Girls 100 Außergewöhnliche Frauen“ Band 1-3. Ich finde die Kurzbiographien in „Stories for Boys Who Dare to be Different – Vom Mut, anders zu sein“ so aussagekräftig geschrieben wie Band 3 von „Good Night Stories for Rebel Girls. Wenn mensch für ein Kind männliche Vorbilder sucht, sind die zwei Bände „Stories for Boys Who Dare to be Different“ empfehlenswert. Denn „Stories for Boys Who Dare to be Different“ ist geeignet, Jungs darin zu bestärken, ihren eigenen Weg zu gehen. Beide Bände der „Stories for Boys Who Dare to be Different“ sind nach meiner Ansicht erfreulich divers, denn es sind, neben einigen Kurzbiographien von behinderten Personen, eine relativ hohe Anzahl an Kurzbiographien von Transmännern enthalten. Der einzige, wirklich negative Punkt der mir bei „Stories for Boys Who Dare to be Different auffiel, war der unkritische Umgang mit der meist kurzen Militärzugehörigkeit einiger Protagonisten. Der Höhepunkt dieses Negativpunktes findet sich in der Geschichte von Prinz Harry und seiner Initiative zu den Invictus Games, einem Sportereignis für im Krieg verwundete Soldat*innen. Das neueste Buch in dieser Reihe ist ebenfalls 2019 erschienen und erhielt den Titel „Stories for Kids who Dare to be Different“ im Loewe Verlag. Autor ist ebenfalls Ben Brooks. Der Sinn dieses Buchs wurde mir nicht ganz deutlich. Es wirkt so als hätte Ben Brooks entschieden, dass die darin vorgestellten männlichen Protagonisten nicht wichtig genug sind um in Band 1 oder 2 der „Stories for Boys…“ aufgenommen zu werden. Im selben Buch werden auch ein paar Frauen vorgestellt. Dies wirkte auf mich wiederum so, als wären die Frauen es nur wert, vorgestellt zu werden, weil im Buch auch Männer vorkommen. Dieser Eindruck entstand bei mir vor allem dadurch, dass der Autor ausschließlich in diesem Buch ein paar Kurzbiographien von Frauen einbringt, es ansonsten aber keine Lektüre zu Frauen von ihm gibt. Ich denke, sowohl Autor als auch Verlag, hätten gut daran getan die Kurzbiographien der Männer mit weiteren Kurzbiographien von Männern in einem 3 Band zu veröffentlichen und mit den Kurzbiographien der Frauen eine eigene Reihe zu starten.
Bereits 2018 erschien bei ars Edition von Kay Woodward „Power Women: Geniale Ideen mutiger Frauen“ Dieses Buch enthält Kurzbiographien von 25 Frauen die etwas verändern wollten und wollen und dafür einstehen oder eingestanden sind. Das Buch ist so aufgebaut, dass es zu jeder Person vier Elemente gibt: 1. Eine Seite mit dem Namen und ein paar Fakten oder ein Zitat von bzw. über die Person. 2. gibt es eine Illustration der Person. 3. eine Kurzbiographie von leider wieder nur einer Seite. 4. gibt es immer eine Seite mit einer fiktiven Frage, welche die jungen Leser*innen an die porträtierte Person nach Ansicht der Autorin scheinbar gerne stellen würden. Dazu wurde eine von den Autorinnen ausgedachte Antwort der porträtierten Person gegeben. Warum diese vier Elemente nicht immer in derselben Reihenfolge angeordnet wurden, bleibt das Geheimnis der Autorin. Mich hat´s genervt. Auf die Seiten des Buches, auf denen die Autor*in im Namen der Leser*innen fiktive Fragen an die porträtierten Personen stellen und diese fiktive Antworten geben hätte meiner Ansicht nach gut verzichtet werden können. Auch auf den, im Multiplejoice – Stil gehaltenen Test, welcher den 25 Kurzbiographien folgt mit dem Titel „Wem ähnelst du?“. Hier können Leser*innen 8 Fragen mit Antworten, von a bis e ankreuzen Ziel soll wohl sein, heraus zu finden, welcher der 5 aus den 25 Kurzbiographien willkürlich ausgesuchten Frauen die Leser*in am ehesten ähnelt. Auf diesen Abschnitt hätte ebenfalls gut verzichtet werden können. Mit den eingesparten Seiten hätten, ohne den Umfang des Buches zu erweitern, weitere Kurzbiographien von Frauen ins Buch aufgenommen werden können. Die Zeitleiste am Ende des Buches auf der alle porträtierten Persönlichkeiten nochmal eingeordnet werden, finde ich genial. Die Kurzbiographien sind mit einer Seite leider wieder sehr kurz. Dort wo es Überschneidungen zu den „Good Night Storys for Rebel Girls“ gibt, sind die Kurzbiographien in Power Women meiner Meinung nach aussagekräftiger geschrieben. Ersetzen können sie die „Good Night Storys for Rebel Girls“ aber nicht, weil das Buch „Power Women“ nur 25 Kurzbiographien enthält und somit nicht an die Fülle von 300 Kurzbiographien in den 3 Bänden Good Night Storys for Rebel Girls herankommt. Darüber hinaus werden in „Power Women relativ Klischeefrei behinderte Frauen porträtiert. Leider wird auch in diesem Buch keine Transfrau porträtiert. Im Februar 2019 erschien bei ars Edition „Power People“, ebenfalls von Kay Woodward. Dieses Buch enthält Kurzbiographien von15 Frauen und 10 Männern, die etwas verändern wollten und wollen und dafür einstehen oder eingestanden sind. Das Buch ist formal genauso aufgebaut, wie „Power Women“ es gibt zu jeder Person die selben vier Elemente. Auch in diesem Buch hätte, meiner Ansicht nach, auf die fiktiven Fragen verzichtet werden können. Es gibt wieder die wirklich gute Zeitleiste. Auch auf den im Multiplejoice – Stil gehaltenen Test hätte wieder verzichtet werden können Von den 25 Personen, die mit Kurzbiographien in diesem Buch vorgestellt wurden, sind 15 Frauen. Eine der porträtierten Frauen ist nicht cis. Es gibt eine Kurzbiographie einer behinderten Frau es handelt sich um Helen Keller. Das Kay Woodward stellt in diesem Buch auch 10 Männer vor das wirkt auf mich etwas skurril, so als hätte das Buch aufgefüllt werden müssen. Auch bei den Männern gibt es eine Kurzbiographie einer behinderten Person. Es handelt sich ausschließlich um cis Männer, was mir negativ auffällt. Es werden auch Männer porträtiert, die in keinem der anderen von mir schon rezensierten Büchern vorgestellt werden. Power People“ hat bei einigen Portraits Überschneidungen mit den „Good Nigth Storys for Rebel Girls“, mit „Stories for Boys who dare to be different“ und mit „Stories for Kids who dare to be different“. Bei all diesen Überschneidungen sind die Kurzbiographien in diesem Buch aussagekräftiger geschrieben. Auch hier wären mehr Kurzbiographien möglich gewesen, hätte der Verlag auf die erwähnten überflüssigen „Testfragen“ verzichtet.
Mit „Frauenpower made in Europe“ werden große europäische Frauen von Petra Bachmann und Inka Vigh porträtiert. Das Buch erschien„ bei ars Edition“ 2019. Für mich stellt es das kontroverseste Buch mit empowernden Kurzbiographien dar. Weshalb es im Jahr 2019 als notwendig erschien, eine Verengung auf einen Kontinent vorzunehmen ist für mich in keinster Weise nachvollziehbar. Doch dieser Umstand wird noch dadurch getoppt, dass der Schwerpunkt auf die deutschsprachigen Länder Deutschland, Österreich und Schweiz gelegt wird.  Ärgerlich ist darüber hinaus, dass Europäer*innen für die Autorin Petra Bachmann ausschließlich weiß sind, oder warum fehlen in diesem Buch sonst die PoC und Schwarzen Frauen? In dieser Hinsicht sind alle anderen hier erwähnten Bücher sehr viel diverser! Die Biographien sind jeweils zwei bis drei Seiten lang und lesen sich sehr gut! Außerdem es gibt eine Zeittafel zu jeder Person auf der wichtige Punkte der Biographie mit dem Jahr vermerkt sind. Es gibt bei 38 Kurzbiographien eine Transfrau. Es kommt auch eine behinderte Frau vor. Dass diese Person Rosa Luxemburg beeinträchtigt ist, müssten die Kinder oder deren Eltern oder Erzieher*innen oder andere Personen, welche das Buch lesen oder vorlesen bereits wissen, denn die Beeinträchtigung wird in der Biographie nicht erwähnt. Das Buch kann, trotz seiner meiner Ansicht nach nicht akzeptablen Europafixierung, aufgrund seiner meist guten Qualität der Kurzbiographien als Ergänzung dienen. Diese Europafixierung kann und sollte mit Kindern auch besprochen werden. Ärgerlich ist, dass die Korruption von Christine Lagarde in ihrer Kurzbiographie zu einem Fehler aus der Vergangenheit verklärt wird.
Ein Punkt, der mich bei allen Büchern irritierte, ist dass durchweg nur unzuverlässig gegendert wird. Welche Auswahlkriterien durch die Autor*innen außer dem Geschlecht, herangezogen wurden, wer als Vorbild taugt, war für mich nicht abschließend zu klären Beispielweise wenn Rosa Luxemburg, Alexandra Kollontai in einem Buch mit Angela Merkel, Katharina der Großen, und Christine Lagarde präsentiert werden. Da fehlt mir ein bisschen der rote Faden bei dem was Kindern als Vorbild präsentiert wird. Oder auch, dass z.B. Clara Zetkin und Angela Davis, um nur zwei Beispiele zu nennen, in keinem der 8 Bücher enthalten sind, ist nicht nachvollziehbar.

Arbeit Inklusion statt Integration Sexualassistenz

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