Gut gemeinte aber schlecht gemachte Kinderbücher

Kindebücher mit behinderten Protagonist*innen sind leider sehr häufig gut gemeinte aber schlecht gemachte Kinderbücher. Das Narrativ nichtbehinderte Schüler*innen kümmern sich um behinderte Mitschüler*innen ist in letzter Zeit ein beliebter Inhalt. Meiner Meinung nach völlig zu Unrecht.
Es folgen Ausschnitte aus den Selbstdarstellungen von vier ausgewählten Büchern, die das belegen.
1: „Halbe Helden“:
„So ganz kann Dane sich nicht erklären, wie er da hineingeraten ist: Gerade ging er noch (überwiegend) friedlich und unbescholten zur Schule, jetzt hat er einen Aufpasserjob. Dumm nur, dass Billy D, ein neuer Schüler mit Downsyndrom, nicht will, dass man auf ihn aufpasst“. Der Verlag ist mir nicht bekannt von Erin Jade Lange (Autor), Jessika Komina (Übersetzer), Sandra Knuffinke (Übersetzer) Erstveröffentlichung 3. September 2013
2. „Lars mein Freund“
„Amanda liebt Adam, der in ihre Klasse geht, aber Adam liebt Amanda nicht. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, bekommt Amanda von ihrer Lehrerin eine ganz besondere Aufgabe zugeteilt: Sie soll sich ab sofort um den neuen Mitschüler Lars kümmern, der das Downsyndrom hat.“ Hanser Verlag Autor*in von Iben Akerlie und Ina Kronenberger Erstveröffentlichung 9. März 2018
3. „Der Sonne nach“
„Dario ist 16 und voller Wut. Einer, dem alles egal ist, vor allem, seitdem der Vater die Familie verlassen hat. Nachdem Dario in der Schule randaliert hat, wird er zu gemeinnütziger Arbeit verdonnert. Er soll sich um Andy kümmern, der im Rollstuhl sitzt und sich kaum mitteilen kann“. Hanser Verlag von Gabriele Clima (Autor), Barbara Neeb (Übersetzer), Katharina Schmidt (Übersetzer) Erstveröffentlichung 11. März 2019
4. „Schlägerherz“
„Kay hat eine große Wut im Bauch. Seitdem sein Vater seine Arbeit verloren hat, lässt er den Kummer an seiner Familie aus. Dies lässt Kay auch Dinge machen, die er eigentlich gar nicht will. Mit Sven aus der Parallelklasse mobbt und tyrannisiert er Erstklässler. Seine Lehrer*innen haben sich längst damit abgefunden, dass er in der Schule nicht mitmacht. Doch als er die kleine Pauline verprügelt, droht er, von der Schule zu fliegen. Er bekommt eine letzte Chance und soll sich um die neue Mitschülerin Greta kümmern, die sie hat das Down Syndrom. Verlag Tulipan von Jutta Nymphius (Autor), Barbara Jung (Illustrator) Verlag Erstveröffentlichung 22. Juli 2019.
Das Problem, welches bei diesen gut gemeinte aber schlecht gemachte Kinderbücher. besteht ist, dass sie den Eindruck hinterlassen, dass sich die nichtbehinderten Kinder und Jugendlichen innerhalb der Handlung zu besseren Menschen entwickeln. Das die behinderten Protagonist*innen aber eher wenig Entwicklung im Laufe der Handlung durch machen dürfen.
Durch dieses oft verwendete Narrativ werden behinderte Protagonist*innen zu Hilfscharakteren, die dafür da sind, nichtbehinderte Protagonist*innen den Spielraum zu geben, zu besseren Menschen werden. Diese Denkweise zeigt, dass die behinderten Protagonist*innen nicht als eigene Individuen gesehen werden, welche für sich ernst genommen werden möchten.
Deshalb sind diese Kinderbücher, meiner Einschätzung nach zwar gut gemeint, aber schlecht gemacht.

 

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